Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kadmus oder Allgemeine Alphabetik vom physikalischen, physiologischen und graphischen Standpunkt
Person:
Du Bois-Reymond, F. H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38576/84/
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Akustik. 
die Ursache des Klanges in der Schwingungsweite der schallen¬ 
den Körper liegt. Denn die Schwingungen bilden, wenn auch 
augenblickliche, so doch bestimmte Abschnitte, welche der ein¬ 
fache sich ununterbrochen fortsetzende Schwingungsraum nicht 
gewährt. Auch ist solcher zu klein, zu mikroskopisch, als dass 
er sich in feinere Abstufungen theilen Hesse. 
Uralte ägyptische Wahrnehmungen. Diese Betrachtung 
führt uns zu einer ganz unerwarteten geschichtlichen Notiz. 
Während die neuere akustische Welt kaum den Klang von dem 
Tone zu trennen weiss, scheint die musikalische Urwelt den Ton 
von dem Klange abhängig gemacht zu haben. Dieser Gegensatz 
folgt aus dem bereits angeführten Monde primitif, des Court de 
Gebelin. In der: Origine du langage et de l’écriture, pag. 111, 
nimmt er sieben Grundvocale (Klangstufen) an, welche er, 
pag. 290— 327, einzeln durchmustert, denselben in vielen 
alten und neueren Sprachen nachspürend. Diese sieben Grund- 
Yocale sind: 
A Ä E 1 0 Ü U, 
in denen der unermüdliche Sprachforscher eine musikalische 
Octave erkennen will. Dem zufolge liest man, pag. 113—114: 
„On étoit tombé dans une méprise bien singulière au sujet de la musique 
des Egyptiens. On s’étoit persuadé qu’ils avoient des Cantiques composés 
uniquement des sept voyelles. Jamais aucun discours dans aucune langue ne 
fut composé de voyelles seules. On aura appliqué au texte ce qui ne regar- 
doit que les caractères dont se servoient les Egyptiens pour les notes. Ce 
ne seroit pas la premiere fois qu’on auroit confondu l’un avec l’autre. Les 
Egyptiens ont connu l’octave des sons vocaux. Il ne seroit pas 
surprenant, en effet, de voir les Egyptiens désigner l’octave musicale par les 
sept voyelles, puisqu’ils désignoient l’octave Planétaire, ou l’harmonie des 
Cieux, par les sept voyelles ou les sept esprits. Porphyre, dans son com¬ 
mentaire sur le Grammairien Denys de Trace, nous aprend, dans un passage 
cité par Galeus, qu’A, désignoit Vénus ; I, le Soleil; O, Mars*v U, Jupiter; 
O long, Saturne: Surquoi Gesner observe très bien, que les Copistes ont 
oublié E pour la Lune, & H ou E long pour Mercure.“ 
Die kühne Einbildungskraft des Court de Geheim, geht 
pag. 327 noch weiter, indem er seine Betrachtungen über die 
Vocale mit den Worten schliesst: „Nous avons donc ici un nou¬ 
veau raport entre l’octave vocale et l’octave musicale ; mais nous 
laissons à de plus habiles à examiner si la vocale ne pourroit
        

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