Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kadmus oder Allgemeine Alphabetik vom physikalischen, physiologischen und graphischen Standpunkt
Person:
Du Bois-Reymond, F. H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38576/45/
so hören Musik und Trommeln auf, damit jeder Soldat seinen 
eigenen Schritt gehen möge; denn das gleichmässige Auftreten 
der ganzen Colonne, ihre tactmässige Bewegung könnte sich der 
Brücke mittheilen und sie erschüttern. Eine solche schwankende 
Bewegung ist besonders bei Hängebrücken bemerkbar. Nun 
kommt eine ähnliche Erscheinung in den Saiten eines Pia¬ 
nos u. s. w. vor. 
Wird von den Saiten eines Pianos irgend eine in Schwin¬ 
gung gesetzt, so theilen sich ihre Schwingungen der ganzen sie 
umgebenden Luftmasse mit. Diese stösst an sämmtliche andere 
Saiten und wie natürlich an die nächsten am Stärksten. Es 
werden jedoch hierdurch nur die Saiten in Schwingung versetzt, 
welche im Accord (Octave, Terz, Quinte) mit der ursprüng¬ 
lich schallenden Saite stehen. Die anderen Saiten aber bleiben 
stumm, weil ihre Schwingungen nicht gleichzeitig mit denen jener 
Saite so wie der Luftmasse erfolgen können, und sich daher ein¬ 
ander aufheben oder neutralisiren. Es sind die Soldaten, von 
denen jeder seinen besonderen Schritt geht. 
Luftstösse mit Bewegung der Luft. Beim Rollen des 
Donners klirren die Fenster, und ihre Scheiben fallen in Scher¬ 
ben bei nahen Kanonenschüssen. Dies scheint zwar das Schwingen 
der Luft am Offenbarsten zu beweisen, doch kommt auch dabei 
ein besonderer Umstand in Betracht. 
Bei einem Kanonenschuss, so wie bei der Explosion einer 
Mine, einer Pulvermühle , oder dem Platzen einer Bombe wird 
nämlich eine beträchtliche Gasmasse theils erzeugt, theils durch 
die Wärme ausgedehnt. Letzteres wenigstens findet auch beim 
Blitze statt. Durch diese gewaltsam und plötzlich ausbrechende 
Gas- und Luftmasse wird aber der ruhig umgebende Luftkreis 
jählings verdrängt. So entsteht in weiteren Räumen eine Luft- 
erschiitterung, welche nicht bloss aus Schallschwingungen besteht, 
sondern auch aus einem heftigen, reissenden Windstoss, der sogar 
im Kriege, wie bekannt, ohne wirkliches Anstreifen der Kugel 
schwere Quetschungen, auch Taubheit verursachen kann. Eben 
solchen Luftstössen müssen wenigstens jene Wirkungen der Ka¬ 
nonenschüsse, des Donners u. s. w. zugeschrieben werden, während 
sie auch dazu beitragen mögen, die Schälle in ungewöhnliche 
Ferne fortzupflanzen. 
Die Luft ist zwar, wie gesagt, in einem hohen Grade ela-
        

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