Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kadmus oder Allgemeine Alphabetik vom physikalischen, physiologischen und graphischen Standpunkt
Person:
Du Bois-Reymond, F. H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38576/236/
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Phonetik. 
mit ihnen gehemmte Zungenspitze in die erforderliche schwin¬ 
gende Bewegung zu setzen. 
4. Ein nasaler? Kein Beispiel eines solchen. 
Obere Zahnreihe allein mit der Zungenspitze. (Art, Supra- 
dento - lingualis.) 
1. Explosive? Keine. Sie fehlen deshalb, weil die 
Zunge, deren äusserste Spitze sich an die Schneidezähne der 
oberen Zahnreihe anlegt, nicht vermag, ihre Zwischenräume dem 
Hauche zu sperren und ihn hinter sich zum Knallen anschwellen 
zu lassen. 
2. — dh, th — englisch, wie in den Wörtern: this, 
there, those (th weich für dli) und thick, think, with 
(th hart). Die Zungenspitze berührt hierbei, wie oben bemerkt, 
nur die scharfe Kante der oberen Schneidezähne, während der untere 
Kiefer gesenkt bleibt und, was übrigens auch bei allen hier noch 
auszubeutenden fünf Hemmungen der Fall ist, sich ganz un- 
thätig verhält. Die gegenwärtige Hemmung unterscheidet sich 
daher von den zwei zuletzt abgehandelten wesentlich dadurch, 
dass bei ihr die beiden Zahnreihen nicht geschlossen sind und 
folglich der Zunge nicht ihre hintere weite Rückfläche, sondern 
bloss die scharfe Kante der oberen Schneidezähne zur Anleh¬ 
nung dargeboten wird. 
Manche Erwachsene, besonders aber Kinder lassen die 
Laute: dh, th englisch, für s, ss hören. Das nennt man 
Lispeln, wahrscheinlich von Lippe, weil die Zungenspitze 
nicht bloss an die Kanten der oberen Zahnreihe, sondern zu¬ 
gleich an die Oberlippe anstösst. Man pflegt auch eine solche 
Aussprache durch einen Organisationsfehler der Sprachwerkzeuge 
zu erklären und zu entschuldigen. Gelingt es aber dem Lisple r 
begreiflich zu machen, dass er bei s, ss nur brauche die untere 
Zahnreihe dicht an die obere anzuschliessen, so wird der ver¬ 
meintliche Organisationsfehler augenblicklich aufgehoben. Für 
dh, th hört man alsdann sogleich s, ss. Eine nicht uninteres¬ 
sante sprachmechanische Erfahrung.
        

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