Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kadmus oder Allgemeine Alphabetik vom physikalischen, physiologischen und graphischen Standpunkt
Person:
Du Bois-Reymond, F. H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38576/235/
Die zehn Hemmungen. 
213 
Zungenspitze plötzlich zurückziehen. Diese, im Fluss der Rede, 
unbequeme Bewegung vermeidet man instinctmässig, indem das 
t kaum angedeutet wird, dafür aber die Mitwirkung der Zun¬ 
genspitze zu den beiden, für sch geschlossenen Zahnreihen 
übergeht. Es ist daher entschieden ein alphabetischer Irrthum, 
wenn man glaubt durch dsch und tsch die echte Lautung des 
hier gemeinten Consonantenpaars richtig anzugeben. 
Wessen Gehör- und Spracliorgane an das Italiänische, auch 
an die mit ihm verwandten Dialecte der Schweiz und des süd¬ 
lichen Frankreichs, selbst an das Englische gewöhnt sind, so dass 
er nicht durch die notlibehülfliehe Schreibung dsch, tsch verführt 
wurde, dem wird nimmermehr einfallen, dass in diesen Zwil¬ 
lingslauten d und t stecken. Verleitender, als d und £, hätte 
der Umstand sein können, dass ihr Knallen nicht so rein, wie 
bei den andern explosiven: b, p; cl, t; g, k, abgegrenzt ist, son¬ 
dern immer mit einer Spur von 5 und sch augenblicklich an¬ 
hebt und schliesst. Allein der Hauptgrund, weshalb der wirk¬ 
liche Lautwerth der b i d e n 10 -1 i n g u a 1 e n Mitlaute so all gemein 
von den Alphabetikern verkannt wurde, ist wohl der Mangel an 
besonderen Buchstaben, sie zu bezeichnen. 
2. — aS, SS — (französische — p). Die alphabetische 
Berechtigung dieser Zwillingslaute braucht nicht erst geltend 
gemacht zu werden, denn sie gehören zu den üblichsten und an¬ 
erkanntesten. 
Wie bei clsch — tsch, schliesst sich die untere Zahnreihe dicht 
an die obere an, aber die Zungenspitze, anstatt deren Intervalle dem 
Hauch ganz frei zu lasssen, wie bei der bidentalen Hemmung, 
oder wie bei dsch — tsch sie gänzlich zu versperren, lässt einen 
Büschel dünner Strahlen desselben fortlaufend durchstreichen. 
Daher das feine, scharfe, beinahe pfeifende Gezische, wodurch sich 
s und s$ von allen anderen Mitlauten so bestimmt unterscheiden. 
Dennoch ist auch die Rechtschreibung dieser Zwillingsmitlaute 
nichts weniger als eine conséquente zu nennen. — Langes s und 
kurzes 5. — st für seht. — sz und ss. — t für ts (Nation u. s. w.). 
— 2 für ts. — x für Jcs u. s. w. 
3. — rz polnisch. — Ein für Fremde sehr schwer auszu¬ 
sprechender trillernder Mitlaut, was sich dadurch erklärt, dass, in¬ 
dem die beiden Zahnreihen geschlossen bleiben, der Hauch nur 
einen Theil seiner Kraft behält, um die, ohnehin durch Berührung
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.