Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kadmus oder Allgemeine Alphabetik vom physikalischen, physiologischen und graphischen Standpunkt
Person:
Du Bois-Reymond, F. H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38576/229/
Die zehn Hemmungen. 
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2. — w — ? — Beide Lippen können auch den Hauch nur 
zum Theil hemmen und den anderen Theil mit einem schwachen 
Geräusch durchlassen. Daher das englische w (döbblju). Wegen 
der Glätte beider Lippen ist aber dieses Geräusch zu leise, um 
für einen allgemein anwendbaren Mitlaut zu gelten. Auch wird 
im Englischen der Buchstabe w nicht rein als Mitlaut, sondern 
genau wie der mitlautartige Yocal u ausgesprochen. Dies erklärt 
sich dadurch, dass dieser Yocal, bei gleicher Stellung beider 
Lippen, hervorgebracht wird und mit jenem, an sich wenig ver¬ 
nehmbaren Mitlaut ic, einen mehr in’s Gehör fallenden Schall 
abgiebt. 
Als reiner Mitlaut, ohne diese Vermischung oder Ver¬ 
wechselung mit dem w, lassen sich indess das weiche Lip- 
pen-ic, und sein harter Zwillingsbruder (eine Art von / oder v, 
deutsch) obwohl unbequem, herausbringen. Bemerkenswerth in 
dieser Hinsicht dürfte es sein, dass der Dr. Joac/i. Ludw. Grass- 
hoff, weiland Professor und Director des Berliner Taubstummen¬ 
institutes, die gewöhnlichen Zwillings-Mitlaute iv und /, welche 
zur nächstfolgenden zweiten Hemmung (infralabio-supradentalis) 
gehören, wahrscheinlich nach einer eigenthümlichen Angewöhnung 
seines Geburtsorts, wie das hier behandelte Mitlautpaar (bila¬ 
biales), aussprach. 
Zur Bezeichnung dieses Mitlautpaars sind aber besondere 
Buchstaben nicht vorhanden. 
3. — brr — Die Beweglichkeit und die Elasticität beider 
Lippen gestatten, bei dem gehörigen Anstoss des zwischen ihnen 
hindurchfahrenden Hauches die Bildung eines trillernden Lau¬ 
tes, einer Art von r, dem aber auch kein besonderer Buchstabe 
gewidmet worden ist. 
Ueber diesen wenig ästhetischen Laut enthielt schon der 
Auszug aus dem Kadmus von 1812 (Musen, S. 25 und 26) Fol¬ 
gendes : 
„Der gemeine Mann gebraucht nicht selten diesen Consonant als einen 
Ausdruck des Spottes und des Geringachtens. Er gebraucht ihn auch in 
verschiedenen Gegenden gegen seine Pferde als Zeichen des Einhaltens (Brr...). 
Der Gebrauch dieses Consonanten bei ordentlichen Wörtern wäre indessen 
so unbequem, dass er wohl in keiner anderen auch noch so rohen Sprache 
zu vermuthen ist.“ 
Diese, aus dem Volksleben geschöpfte Wahrnehmung ist dem 
umsichtigen Brüche, in seinen tief eingehenden Grundzügen,
        

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