Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kadmus oder Allgemeine Alphabetik vom physikalischen, physiologischen und graphischen Standpunkt
Person:
Du Bois-Reymond, F. H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38576/198/
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Phonetik. 
statt des wirklich angehauchten A, welches ihnen im Deutschen, 
wie bekannt, oft eine so missglückende Anstrengung kostet. Es 
dürfte daher auch w^ohl bei dem Versuch eines allgemeinen Al¬ 
phabets dem Spiritus lenis ein besonderes Zeichen zu wid¬ 
men sein. 
Sechster Abschnitt. 
Mitwirkung der Stimmritze, als Organ der Stimme. 
Tonhöhe der stimmlosen Grundlaute. 
Meine Leser sind hoffentlich schon längst zu der Erkennt¬ 
nis gekommen, dass, gegen das allgemeine Vorurtheil, die 
Stimme keinesweges zu den eigentümlichen Bestandteilen der 
Sprache gehört. Wer, von Ihnen, sich die Mühe geben will, 
einen Theil der unzähligen Schriften, Werke, Systeme über be¬ 
sondere und allgemeine Alphabetik zu durchmustern, muss über 
die Verwirrung staunen, in welche die Verfasser durch das 
Vorurtheil, als sei die Stimme ein Hauptbestandteil der 
Sprache, geraten sind. Dem entgegen habe ich in dem bis¬ 
herigen immer nur den stimmlosen Hauch vorausgesetzt, und 
erst hier soll die Stimme berücksichtigt werden. Aus dieser 
Verschmelzung folgt nun zuerst, dass die mächtig den Hauch 
überschallende Stimme, ihn zum Theil nur noch in einem Theile 
der Mitlaute hören lässt, aber in den Grundlauten ganz 
unhörbar macht, was einigermassen zur Entschuldigung jener 
Verfasser gereichen dürfte. 
Bei der stimmigen Sprache findet zwischen Stimme und 
Hauch ein in akustischer Beziehung merkwürdiger Umtausch 
statt. Die Stimme verliert den, zu unseren Ohren zwar nie¬ 
mals gelangenden Klang, mit dem sie doch nothwendig aus der 
Stimmritze erschallt, und erhält dafür die verschiedenen als 
Grundlaute dienenden Klänge des Hauches. Dagegen gewinnt 
der Hauch die umfangreichen starken Töne der Stimme, aber ver¬ 
liert die, seinen schwachen Luftschällen eigenthümlichen Töne.
        

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