Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kadmus oder Allgemeine Alphabetik vom physikalischen, physiologischen und graphischen Standpunkt
Person:
Du Bois-Reymond, F. H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38576/166/
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Phonetik. 
Saiten und Tasten, wie auch der einzelne Sänger in den russi¬ 
schen Concerten, bei welchen er nur seinen besonderen einzi¬ 
gen halben Ton anzugeben hat, wenn das aufgeführte Musik¬ 
stück ihn an die Reihe bringt. Mit solchen halben Tönen zeigt 
sich dennoch das Gehör ganz befriedigt und dabei ist auch die 
Musikschrift stehen geblieben. Tastaturen mit Vierteltönen sind 
zwar, zur Vermeidung der ausgleichenden Temperatur, versucht 
worden, haben aber nicht Eingang gefunden. (Vergl. de la Borde 
Musique ancienne et moderne.) 
Vermöge ihrer einfacheren Einrichtung mit vier Saiten und 
einem Streichbogen, statt aller Tasten, kann die Violine mit 
ununterbrochenen Uebergängen von einem gegebenen Tone zu 
einem höheren oder tieferen übergehen. Dies ist ein Vorzug, 
welchen der geschickte Violinist nicht unbenutzt lässt, wenn 
auch das vor ihm liegende Notenblatt nur halbe Töne vor¬ 
schreibt. Auch sind für dieses Instrument die Ausgleichungen 
der Temperatur überflüssig. Der Mund, als Klangorgan, ist 
in eben dieser Beziehung mit der Violine zu vergleichen. Zwi¬ 
schen den beiden äussersten Klängen u und i sind, wie zwischen 
den tiefsten und höchsten Tönen, unzähliche Uebergänge denk¬ 
bar. Sie kommen wohl auch fortwährend in der Umgangs¬ 
sprache vor, ohne jedoch als bestimmte Klänge oder Grundlaute 
anerkannt zu sein und in der Schrift aufgenommen zu werden. 
Es verhält sich dabei wie bei der Musik, wo nur die recht deut¬ 
lich, das Gehör verschieden, tiefer oder höher, berührenden Töne, 
also nur die Halbtöne, festgestellt wurden und ihre besonderen 
Zeichen in der Musikschrift erhielten. 
Ueber den im System der Grundlaute als Stütz¬ 
punkt gebrauchten Klang a. Eine in allen bekannten 
Sprachen vorkommende Abstufung des Klanges überhaupt, ist 
die zwischen seinen beiden äussersten Grenzen der Tiefe und 
Höhe, also zwischen u und ziemlich in gleicher Entfernung 
beider, schwebende. Diese wichtige mittlere Klangabstufung 
wird durch den Buchstaben a bezeichnet. 
Hierüber äussert sich Lepsius (Allg. lingu. Alph., pag. 22) das Vocal- 
system besprechend, wörtlich: „Es giebt drei Grundvocale, wie es drei 
Grundfarben giebt. Sie liegen ebensowenig wie die Farben in einer geraden 
Linie, sondern lassen sich nur unter der Form eines Dreiecks richtig dar¬ 
stellen, an dessen Spitze a, an dessen Grundfläche i und u stehen:
        

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