Bauhaus-Universität Weimar

Enharmonische Instrumente. 
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Anders müssen Versuche der zweiten Art beurtheilt werden, 
welche mehr oder weniger die Aspiration erheben, zu praktischer 
Musikausübung geeignete Tonwerkzeuge zu sein. 
Hierher zählen: die enharmonische Orgel von Perronet 
Thompson1), und als neuester Versuch: das »Enharmonium« des 
Japaners Dr. Shohe Tanaka, der seine Studien in Berlin unter Helm¬ 
holtz gemacht hat. 
Die Orgel des Ersten besteht aus einer einzigen Tonreihe 
gewöhnlicher Principalpfeifen, und befindet sich in der Kapelle einer 
Londoner Sonntagsschule, wo sie zum Begleiten einfacher Kirchen¬ 
lieder praktische Verwendung findet. Sie zählt 40 Pfeifen und 65 
auf 3 Claviaturen vertheilte Tasten in der Octave, ist mit einem für 
die Stimmung selbstverständlich unschädlichen Jalousieschweller, weiters 
aber auch mit einer Vorrichtung versehen, die den — wie bekannt 
— äusserst störenden Einfluss der Temperatur auf die Stimmung 
beseitigen soll. — Ueber diese letztere Einrichtung, deren eminente 
Wichtigkeit für den Orgelbau auf der Hand läge, und die für das prak¬ 
tische Musiziren eine sicherlich grössere Bedeutung haben möchte, 
als alle sonstigen Eigenschaften der Thompson’schen Orgel — lässt 
sich unsere Quelle (Helmholtz) leider ebenso wenig, als über den 
Tonumfang des Instrumentes, so wie darüber vernehmen, ob dasselbe 
auch ein in gleicher Weise angeordnetes, d. h. ein die gleiche Tasten¬ 
zahl in der Octave, wie das Manual, enthaltendes Pedal besitzt. 
Ob diese Orgel noch heute in Gebrauch ist, was wohl zunächst 
davon abhängt, dass sich Jemand findet, der sich die Mühe nimmt, 
um mit 65 Tasten eigentlich dasselbe zu sagen, was ein Anderer 
mit 12 Tasten zu Stande bringt — auch darüber fehlen Mitthei¬ 
lungen. — 
*) Auch der Amerikaner Poole hat — ob zum praktischen Ge¬ 
brauche ist unbekannt — eine Orgel construirt, auf welcher, ungeachtet 
sie 78 Pfeifen in jeder Octave zählt, nichtsdestoweniger enharmonische 
Vertauschungen vorgenommen werden müssen. Ueber die Zahl der Octaven, 
die das Instrument umfasst, wie über die Anordnung der Claviatur meldet 
die Quelle (Helmholtz 664) nichts. — Unter den vorerwähnten 78 Pfeifen 
soll sich auch der siebente Partialton befinden. Diese bekanntlich melodisch 
wie harmonisch unbrauchbare Septime wurde von Cavaillé-Coll in seiner 
grossen Madeleine-Orgel ebenfalls disponirt, aber in einem Mixturchore, 
demnach als akustisches Mittel zur Erzielung einer bestimmten Klangfarbe, 
nicht aber, um als selbstständiges Intervall (im Sinne des Kirnberger’schen 
i) Verwendung zu finden.
        

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