Bauhaus-Universität Weimar

ï94 
Enharmonische Instrumente. 
d. XVII. Jahrh. [Cembalo omnisono)v), Robert Smith (um 1750) 
»Harpsichord«1 2), und noch wenige Andere. 
Schon die geringe Zahl solcher Versuche und die noch geringere 
Verbreitung derselben beweist zu Genüge, dass man die Erfolglosig¬ 
keit bald eingesehen hat, die Musik hinsichtlich ihrer praktischen Aus¬ 
übung auf diesem Wege von aller Unreinheit zu befreien, denn schon 
der Umstand, dass diese Versuche mit clavierartigen Instrumenten, 
also mit der gespannten Saite, dargestellt wurden, und die dadurch 
bedingte Unmöglichkeit einer stabilen Stimmung überhaupt und ins¬ 
besondere der Erhaltung so subtiler Tonunterschiede, wie solche 
zwischen enharmonischen Ausdrücken bestehen, musste, abgesehen 
von den technischen Complicationen, zu dieser Einsicht führen. 
Durch das Auftreten der in ihrem Siegesläufe unaufhaltsamen gleich¬ 
schwebenden Temperatur wurden weitere Purificationsexperimente 
durch geraume Zeit zum Stillstände gebracht. 
Nichtsdestoweniger fehlte es doch auch seither zeitweilig nicht 
an Solchen, die sich mit der Lösung des Problems vom Neuen be¬ 
fassten, wiewohl sie zugeben, dass mit clavierartigen Instrumenten 
nichts zu machen sei, wie denn der begeisterte Kritiker des neuestens 
von Dr. Tanaka construirten »Enharmoniums«, H. v. Arnold (Leipz. 
Musik-Ztg. 1890, Nr. 20) schliesslich zu dem ebenso überraschenden 
als bezeichnenden, im Grunde aber sehr vernünftigen und ehrlichen 
Geständnisse gelangt, »dass das gewöhnliche — d. h. zwölf Halb¬ 
töne innerhalb der Octave enthaltende, nach der gleichschwebenden 
Temperatur gestimmte — Clavier selbstverständlich das bevorzugte 
Tasteninstrument (wenigstens noch für geraume Zeit3) verbleiben 
werde und verbleiben müsse. 
Was zur Wiederaufnahme derartiger Bestrebungen vielleicht den 
eigentlich bestimmenden Anreiz gegeben haben dürfte, ist die freie, 
d. h. eine durchschwingende Zunge ohne Schallkörper, die 
sich vermöge ihres Vorzuges, ein nahezu un verstimmbares Tonorgan 
zu sein, zu solchen Versuchen in ganz vorzüglicher Weise eignet; 
denn die sorgfältig gearbeitete, wiederholt durchgestimmte und unter 
1) 5 Tastenreihen, 31 Töne in der Octave. 
~) 24 Töne, 12 Tasten, 6 Transpositionshebel. 
3) Voraussichtlich mindestens so lang, bis die jetzige Clavierliteratur 
seit Bach allen Werth verloren haben wird, und von da ab keine Clavier- 
sachen mehr geschrieben werden, sondern nur Stücke für Enharmoniums.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.