Bauhaus-Universität Weimar

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Das System der reinen grossen Terz. 
die andere der »Leeren« daran, oft gewiss nicht zum Schaden der 
Tonart. (Man lese hierüber G. A. Hirn’s wenig bekannte, interessante 
Schrift: »La musique et l’acoustique«.) 
Unter den Blasinstrumenten sind es einzig die Zugposaunen, 
welche, ohne eine Verschlechterung des Klanges zu erleiden, in der 
Freiheit der Intonation den Singstimmen am nächsten kommen, da 
sie nur bei geschlossenem »Zuge« an einen unveränderlichen Ton 
und dessen Partialtöne gebunden sind. — Die übrigen Blasinstrumente 
können (allerdings nicht in allen Lagen) kleine Abänderungen der 
Tonhöhe bewirken, jedoch immer nur auf Kosten der Gleichheit der 
Klangfarbe; allein durch ihren fortwährenden Kampf gegen die Tem¬ 
peratureinflüsse sind sie in ihrer Fähigkeit, sich feinen Stimmungs- 
diflerenzen zu accommodiren, vielfach gehemmt. 
Was nützt dem Horne und der Trompete die viel belobte Natur¬ 
stimmung, wenn sie, um rein zu blasen, jeden Moment von ihr ab¬ 
weichen müssen? 
Und auch hier soll abgesehen werden von der mindestens an¬ 
zuzweifelnden Möglichkeit, jedem Einzelnen eines vielstimmigen In¬ 
strumentenkörpers die Momente und das Maass vorzuschreiben, wo 
die Temperirung auszuführen sei und wie viel die Tonrückung zu 
betragen habe. 
Wir erkennen also hieraus, dass alle Orchesterinstrumente1) 
mehr oder weniger in der Freiheit der Intonation beschränkt sind 
und sonach ein orchestrales Musiciren in reiner Stimmung (sei diese 
die natürliche oder irgend eine sonstige), abgesehen von den entgegen¬ 
gesetzten Einflüssen der Wärme bei Streichern und Bläsern, wohl 
nur in den Regionen der frommen Wünsche zu ermöglichen sein 
dürfte. 
Gehen wir aber einstweilen auf diese Fiction ein, und nehmen 
wir an, ein a-Capellachor habe eine solche Virtuosität im Kommatisiren 
erlangt, dass seine Accorde und Accordfortschreitungen durchwegs 
aus reinen Intervallen bestehen und seine Intonation nicht aus der 
Tonart weicht, d. h. genau in der Tonart endet, welcher das Stück 
angehört, dass also jeder Ton die ihm zukommende Schwingungs- 
1) Ueber die Harfe wurde in dieser Beziehung schon im 24. Vortrage 
das NÖthige gesagt.
        

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