Bauhaus-Universität Weimar

Die Klangfarbe. 
7 
Wir wollen nun diese drei Componenten der Klangfarbe: die 
Verbindungen einfacher Töne, den Antheil des. Stoffes und die be¬ 
gleitenden Geräusche, einzeln betrachten. 
Zuvor aber müssen wir noch vom physikalischen Gesichtspunkte 
zwei Begriffe feststellen, die uns Musikern zwar geläufig sind, aber 
von uns in einem anderen Sinne aufgefasst werden. 
Für den Musiker umfasst der Begriff Ton gemeinhin nur das¬ 
jenige , was allen musikalischen Klängen an, ich möchte sagen, 
äusseren Merkmalen gemeinsam ist, wie: Höhe, Tiefe, Stärke, 
Schwäche. Er spricht also von hohen oder tiefen, starken oder 
schwachen Tönen, gleichviel welcher Quelle sie entspringen, zugleich 
gebraucht er das Wort auch zur Bezeichnung von Intervallen und 
spricht demnach von ganzen, von halben Tönen. 
Unter Klang dagegen begreift er jenes specifische Merkmal, 
vermöge dessen er bei Klängen von gleichen Tonhöhen die ver¬ 
schiedenen Quellen nach ihrer Eigenart erkennt und unterscheidet, 
welchen diese Klänge entstammen. 
Zwar werden diese Begriffe häufig bald vermischt, bald ver¬ 
wechselt; allein, wenn der eine Musiker auch vom charakteristischen 
Tone irgend eines Instrumentes, der andere aber von dem Klange 
einer hohen Stimme spricht, so wissen doch beide genau, was sie 
damit sagen wollen. Ob aber dasjenige, was er bald Ton bald Klang 
nennt, das Product einfacher oder zusammengesetzter Schwingungen 
ist, darnach zu fragen gibt seine Kunst dem Musiker keine eigent¬ 
liche Veranlassung, es wäre denn, dass er, gleich Ihnen, meine jungen 
Freunde, das Bedürfniss fühlt, ihr auch von wissenschaftlicher Seite 
näher zu treten. 
Genauer als der Musiker muss der Akustiker die Begriffe Klang 
und Ton fassen und sie schärfer trennen. In den folgenden Betrachtungen 
werden wir demnach mit dem Begriffe Klang stets die Vorstellung 
einer aus mehreren Theiltönen zusammengesetzten, mit jenem des 
Tones aber die einer einfachen Gehörsempfindung zu verbinden 
haben. Dieser Auffassung gemäss lässt sich der Klang in einzelne 
Töne, deren jedem eine bestimmte Schwingungszahl zukommt, zer¬ 
legen, während der Ton selbst nicht weiter zerlegt werden kann. — 
Gehen wir nunmehr an unsere Betrachtungen. 
Unsere bisherigen Untersuchungen haben uns gelehrt, dass keine 
der bekannten, zu musikalischer Verwendung geeigneten Tonquellen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.