Bauhaus-Universität Weimar

3°4 
Zungen. 
haben sie die Aufgabe, durch intermittirende Stösse Verdichtungs¬ 
und Verdünnungswellen zu veranlassen; denn, ob die zur Erzeugung 
von Stössen erforderlichen periodischen Unterbrechungen eines Luft¬ 
stromes, beziehungsweise das abwechselnde Schliessen und Oeffnen 
seiner Passage durch gegenseitiges Annähern und Entfernen der 
Lippen, der Stimmbänder, oder der Doppelblättchen des Oboe- oder 
Fagottröhrchens, oder ob die Unterbrechungen durch Aufschlagen 
und Zurückschwingen, oder durch Abschluss des Luftweges bei 
jedesmaligem Durchschwingen bewirkt werden, — die Wirkung 
bleibt im Grunde dieselbe. 
Gleichwohl finden zwischen der Luftzunge und Zungen aus 
festen Stoffen wesentliche Unterschiede statt. Einer derselben beruht 
darin, dass die Zungen Klangerreger sind, die mehr oder weniger 
ihren bestimmten Eigenton haben, während die Luftzunge nur Rei¬ 
bungsgeräusche hervorzubringen vermag, dass mithin, um tönende 
Impulse hervorzurufen, die Luftzunge des Resonanzrohres bedarf, 
während Zungen von materieller Beschaffenheit durch solche Röhren 
nur eine klangliche Ausbildung und Verstärkung ihres eigenen Tones 
erfahren, aber unter Umständen dieses Mittel auch ganz ent¬ 
behren können, wie bei der Physharmonika, dem Harmonium, der 
Zieh- und Mundharmonika u. s. w. 
Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass die Luftzunge nur 
die Resonanz-, beziehungsweise Aliquottöne der Luftsäule der Röhre 
hervorrufen kann, und in ihren Schwingungen von dem Tempo des 
jeweiligen Rohrtones abhängig ist, während die, vermöge ihrer Materie 
mehr oder weniger starre und unnachgiebige Metall- und Holzzunge 
durch Resonanzröhren innerhalb gewisser Grenzen in ihren Eigen¬ 
schwingungen wenig und nur im hemmenden Sinne beeinflusst werden 
kann. Die Schwingungen der Lippen accommodiren sich jener des 
Rohrtones. 
Scheiden wir die Zungeninstrumente in zwei Hauptgruppen: 
nämlich eine solche, wo jede Zunge zur Hervorbringung stets nur 
eines und desselben Tones bestimmt ist, und in solche, wo zur 
Hervorbringung aller, dem Umfange des Instrumentes entsprechenden 
Töne eine und dieselbe Zunge zu dienen hat, wie solches bei den 
Blasinstrumenten der Fall ist, so werden wir sie am zweckmässigsten 
in der Reihenfolge betrachten, dass wir mit jenen Gattungen beginnen,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.