Bauhaus-Universität Weimar

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Die Entstehung des Klanges. 
des Wasserdruckes abhängt, höher und lauter wird. Das die Sirene 
umgebende Glasgefäss d füllt sich allmälig mit Wasser, das an¬ 
steigend die Sirene bedeckt, die nun unter dem Wasser singt. 
Dass unserer Sirene dasselbe klangerregende Princip periodi¬ 
scher Stösse zu Grunde liegt, wie allen übrigen Stossapparaten, 
wird Ihnen wohl nicht zweifelhaft sein. In dem einen — der Zahn¬ 
radsirene — stossen feste Körper auf feste; in dem anderen — der 
Scheibensirene — luftförmige auf luftförmige; in dem dritten endlich 
— wie im vorliegenden Falle — tropfbar-flüssige auf tropfbar-flüssige. 
Die Stösse, welche die periodisch austretenden Wasserstrahlen auf 
die umgebende Wassermasse ausüben, werden von dieser an die Luft 
abgegeben und so unserem Ohre zugeführt. 
Die Töne der Aeolsharfe, der Telegraphendrähte u. dgl. be¬ 
ruhen auf partialen Transversalschwingungen und gehören demnach 
in die zuerst aufgezählte Kategorie. Jene Töne, welche elektrische 
und magnetische Ströme, dann thermische Einflüsse in Drähten her- 
vorrufen, sind zwar ihrer phonischen Natur nach noch wenig unter¬ 
sucht, dürften aber auf longitudinale, vielleicht auch mit transversalen 
Schwingungen complicirte Oscillationen, mithin in letzter Auflösung 
ebenfalls auf Luftstösse zurückzufüren sein. — 
Dass das sogenannte Reibungsgeräusch, welches als ein 
Durcheinanderschwirren unzähliger Töne aufzufassen ist, in der Klang¬ 
bildung eine wesentliche Rolle spielt, werden wir alsbald kennen 
lernen. Die Erklärung der Art und Weise aber, wie sich daraus 
die Primitivimpulse entwickeln, aus welchen die zur Klangbildung 
erforderliche Periodicität von Luftstössen entsteht, die als Ton 
unserem Gehöre sich mittheilen, ist bezüglich einiger hieher ge¬ 
höriger Vorgänge um so schwieriger, als, wie man zu sagen pflegt, 
die Gelehrten selbst darüber noch nicht einig sind. Vornehmlich ist 
dies der Fall in Bezug auf die tönende Erregung von Luftsäulen 
mittels eines bandförmigen Luftstromes, wie solches beim Anblasen 
offener oder gedeckter Röhren, insbesondere von Flöten, dann von 
sogenannten Labial- oder Lippenpfeifen geschieht, zu welch’ letzteren 
vor allem die Orgelpfeifen zählen; desgleichen alle Arten Signal¬ 
pfeifen, von der Locomotivglockenpfeife bis zur Pfeife des Tramway- 
Kutschers, vom Lockrufe des Vogelstellers bis zum Pfeifchen, das 
der Hirtenknabe aus Schilfrohr oder Weidenrinde schnitzt.
        

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