Bauhaus-Universität Weimar

Schwebungen 
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Maßgebend für den Eindruck der Schwebungen ist nun außer 
der Schwebu noch die Gr ö ße des sch w eb enden Int er^ 
y alls. Die Differenz der beiden Primärtöne ist z. B. bei dem 
Halbton h± — c2, dem Ganzton c1 — d1 und der Quinte C—G 
die gleiche, die Rauhigkeit des Zusammenklangs aber verschieden. 
Bei gleicher Schwebungszahl ist also die Wirkung für engere Inter¬ 
valle störender. Zur Erklärung dieser Tatsache muß aufa die 
Theorie des Hörens zurückgegriffen werden. 
Wirken auf das Ohr zwei Töne, so wird nach der Helmholtz- 
schenTheorie des Hörens die vom Trommelfell aufgenommenexesul- 
tiereade Schwingungsbewegung im Mittelohr in Komponenten zerlegt, 
indem auf jeden Sinuston nur ganz bestimmte Stellen der Basilarmem- 
bran reagieren. Wie schon hervorgehoben wurde, wird aber nicht 
nur ein Fäserchen der Basilarmembran durch einen Sinuston er- 
regt, sondern eine Gruppe vomEäsarjchen: jedem Sinuston 
entspricht ein gewisser Resonanzbereich. Liegen nun die Töne 
nicht genügend weit auseinander, so,,, findet eine ÜJbejnj&akiiiig 
der den beiden Tönen entsprechenden Resonanzbereiche statt. 
Die in diesen Überdeckungszonen liegenden Fäserchen werden 
dann von zwei Tönen erregt, es tritt eine Störung der Empfin¬ 
dung ein, indem die betreffenden Fäserchen die ganze Schwingungs¬ 
bewegung aufnehmen; man hat dann die Empfindung von Schwe¬ 
bungen. Je näher die Primärtöne aneinander rücken, um so mehr 
Fäserchen werden von zwei Tönen erregt. Die gleiche Schwebungs¬ 
zahl wirkt daher bei engen Intervallen störender als bei weiten. 
Überdecken sich die den Resonanzbereichen entsprechenden Re¬ 
sonanzkurven nur teilweise (Fig. 41a), so ist es noch leicht, die 
Primärtöne wahrzunehmen. Mit kleiner werdenden Höhenunter- 
schieden der Primärtöne tritt >aber die Schwebungserscheinung 
mehr hervor, die Überdeckungskurve ist — wie die Resonanz¬ 
kurven Fig. 41 b zeigen — größer, und die beiden Primärtöne werden 
dann als sogenannter Schwebungston einheitlich erfaßt. (Zur 
Hervorbringung eines derartigen Schwebungstones sind nicht un¬ 
bedingt zwei Töne erforderlich; da es sich nur um periodische 
Stärkeveränderungen handelt, kann die Erregung einer Schallquelle 
periodisch unterbrochen oder der Erregungsgrad in gewissen Grenzen
        

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