Bauhaus-Universität Weimar

Unterschiede der musikalischen Klangfarben 
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Knorpelwand zurücktreten können. Bei ihrer Anspannung lassen 
sie doch noch eine schmale Spalte, von der Vorderwand des Schild¬ 
knorpels bis zur Rückwand des Grundknorpels reichend, offen: die 
Stimmritze. Die membranartigen Ränder der Stimmritze werden 
durch die Bewegungen der beiden Hauptknorpel (R und S) zu- 
oder auseinander ihrer Länge nach gespannt, während die Verengung 
oder Erweiterung der Stimmritze (Fig. 32) durch zwei auf dem 
hinteren hohen Rande des Grundknorpels aufsitzende, kleinere, 
pyramidenförmige Knorpel veranlaßt wird, die Stell- oder Gie߬ 
beckenknorpel (Fig. 30 und 31 G). An der vorderen Partie des 
Schildknorpels angeheftet ist sodann der Kehlkopfdeckel (Epiglottis), 
der für die Stimmbildung gar keine Bedeutung hat, sondern nur den 
Stimmapparat vor dem Eindringen von Fremdkörpern vom Rachen 
her schützen soll. Durch die oberen beiden Hörner (h) des Schild¬ 
knorpels steht der Kehlkopf mit dem Zungenbein in Zusammenhang. 
In Wahrheit ist das Zusammenwirken der einzelnen Teile des 
Kehlkopfes so kompliziert, daß eine genaue Festlegung bisher noch 
nicht möglich war. Zum Verständnis der Funktionen des Kehl¬ 
kopfes genügt es, zu wissen, daß jede Bewegung der einzelnen 
Teile dièses Knorpelgerüstes durch das Eingreifen besonderer Mus¬ 
keln erfolgt, deren Tätigkeit teils willkürlich, teils unwillkürlich 
geregelt wird. 
Der aus der Luftröhre drängende Luftstrom staut sich, wenn 
die Stimmlippen gespannt sind, unterhalb der Stimmritze, bis seine 
potentielle Energie größer ist als die Spannkraft der Stimmlippen. 
Diese werden dann auseinandergedrückt, der Druck läßt nach, 
so daß sich die Stimmritze wieder mehr oder weniger vollkommen 
schließt, weil die Spannkraft der Stimmlippen wieder überwiegt. 
Die Stimmbandschwingungen sind also diskontinuierlich, und 
daraus folgt, daß der Stimmklang reich an Obertönen sein muß. 
Helmholtz hat bei hellen, tief gesungenen Vokalen mit Resonatoren 
die Obertöne bis zum 16. gut herausgehört. Die Tonhöhe hängt 
besonders von der Spannung der Stimmlippen ab. Bei einem 
ausgeschnittenen menschlichen Kehlkopf konnte der Physiologe 
J oh. M ü 11 er durch verschiedene Spannung der angeblasenen Stimm¬ 
bänder einen Tonumfang von über zwei Oktaven erzielen.
        

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