Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Pedal des Claviers. Seine Beziehung zum Clavierspiel und Unterricht, zur Composition und Akustik
Person:
Schmitt, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38523/140/
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Wie unschuldig sich Rubinstein’s Pedalgebrauch bei Scalen neben 
dem in diesem Largo fast durchaus angegebenen ausnimmt, kann sich bei 
der weiten Verbreitung der Hallberger* Aus gäbe Jedermann leicht aber¬ 
zeugen. 
Die bisherige Pedalbezeiehnung leidet noch an zwei 
Fehlern: 
1. Kann man schwer anzeigen, dass das Pedal gar 
nicht gebraucht werden soll; Stellen aber, wo das Pedal¬ 
zeichen fehlt, betrachtet der Spieler als vogelfrei, wenn ihm 
nicht etwa der Componist durch ein kategorisches: „sertza 
Pedal“ in sein Gelüste energisch dreinfährt. 
Wie lange aber hat wieder das „senza Pedal“ zu 
gelten? Das lässt sich schwer bestimmen, sobald es der 
Componist unterlässt, selbst den Bann aufzuheben, den er 
auf das Treten gelegt hat. Umgekehrt lässt sich auch schwer 
die längere Daner des Pedaltrittes anzeigen. Wohl kann der 
Componist den längeren Pedalgebrauch durch die Bezeich¬ 
nung „sempre Pedal“ (immer Pedal) verlangen, doch weiss 
auch hier der Spieler oft nicht, wie lange dieses sempre 
zu gelten habe. 
So ist es z. B. bei den Clavierspielern eine beständige Streit¬ 
frage, ob bei den Takten der letzten Zeile des ersten Satzes der 
Fis-Moll-Phantasie, Op, 28 von Mendelssohn, das sempre Pedal 
wirklich bis zum Schlosse gelten soll oder nicht. Die einen 
meinen, das Pedal müsse bei dem zweiten Takte der Zeile ge¬ 
wechselt werden, weil dort ein neuer Accord erscheine. 
Die anderen behaupten, man müsse das Pedal unerbittlich 
bis ans Ende forthalten, weil gerade das nebelhafte Durcb- 
einanderklingen sehr charakteristisch zum Abschluss des 
balladenartigen Stückes passe. Wer hat Recht? Ich helfe mir 
gerade in diesem Falle, wie ich glaube, ganz gut ans der Schlinge, 
indem ich sowohl dem Componisten, als auch den Ohren gerecht 
werde. — Nachdem die Linke oben fertig ist, gehe ich nämlich 
noch während des Pedalgebrauches auf die Octav Fis Fis zurück, 
drücke diese stumm nieder, lasse das Pedal dann aus, während 
ich die stumm niedergedrückten Tasten weiter forthalte. Die 
betreffende Stelle spiele ich mithin so:
        

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