Bauhaus-Universität Weimar

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Akustische Untersuchungen. II. 
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(Zeitschr. f. Biologie 81, S. 530. 1894.) Die Fourieranalyse liefert 
ihm nun, wie sie freilich nicht anders kann, aus empirisch ge¬ 
wonnenen Vokalkurven eine Reihe von Intensitäten ebenfalls für 
harmonische Teiltöne, und zwar sind bei jedem Vokal die In¬ 
tensitäten von Obertönen, die in ein bestimmtes Gebiet fallen, 
besonders grofs. Nach allem, was wir durch Ohm-Helmholtz 
über die Gesetze der Schallwahrnehmung wissen, sieht er sich 
berechtigt, die Intensitäten, die das mathematische Verfahren 
ergibt, auf die wirklich gehörten harmonischen Teiltöne zu be¬ 
ziehen, und findet auf diesem Wege als Grundsätze der Vokal¬ 
lehre : 
„1. Gesungene Vokalklänge enthalten lauter harmonische 
Teiltöne. 
2. Die Intensitäten der einzelnen Teiltöne hängen in keinem 
nennenswerten Grade von ihren bezüglichen Ordnungszahlen ab. 
3. Die verschiedenen Vokale unterscheiden sich untereinander 
durch Verstärkungsgebiete von verschiedener Anzahl, Breite und 
Lage in der Tonskala.“ {Zeitschr. f. Biologie 27, S. 77. 1890.) 
Das ist, wie man sieht, in allem wesentlichen mit der Helm- 
HOLTzschen Vokaltheorie identisch, nach der aus dem oberton¬ 
reichen Klang des Kehlkopfes je nach der Form der resonierenden 
Mundhöhle verschiedene Teile verstärkt werden, und jedem 
Vokal eine feste Form der Mundhöhle, folglich ein Verstärkungs¬ 
gebiet von bestimmter Höhe entspricht. 
Die Schlufsweise, durch welche Pippinu dazu geführt wird, 
diese Theorie aufs neue energisch zu vertreten, setzt, wie wir 
sahen, gewisse — und zwar scheinbar durch Helmholtz ganz 
gesicherte — Gesetze der Tonwahrnehmung voraus. Hier ist 
der Punkt, an dem Hermann angreift. Eine Schallkurve, so 
sagt er, gibt einen physikalischen Vorgang wieder, ihre 
Deutung darf nicht beeinflufst werden durch Hypothesen (so 
nennt er, doch wohl nicht ganz mit Recht, den OHMschen Satz 
über einfache Töne), welche die Tonwahrnehmung betreffen. 
Wer will beweisen, dafs die Teiltöne, welche das vorliegende 
Kurvenbild ergeben haben, wirklich in der harmonischen Folge 
Nach L. Hermann. Vokal A, auf c gesungen.
        

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