Bauhaus-Universität Weimar

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Wolfgang Kohler. 
[LVIII. 104] 
clafs zusammengesetzte Klangwahrnehmungen in jedem Falle aus 
Elementen bestehen, deren qualitativ „Empfindbares“ unseren 
Qualitätenreihen angehört, so verkehrt sich der angeführte Ein¬ 
wand sogleich in eine Bestätigung unserer Behauptung.1 * Und 
leicht ist dieser Nachweis zu erbringen: Wir haben im ersten 
Kapitel über Versuche berichtet, in denen einzelne und zwar 
die dominierenden Komponenten von gesungenen Vokalklängen 
durch Ausschaltung der übrigen mit dem Interferenzapparat 
isoliert wurden. Regelmäfsig hatten dabei die freigelegten reinen 
Töne denjenigen Vokalcharakter, der Tönen ihrer Höhe nach 
den Tabellen der Stimmgabelversuche zukommen mufs. Deshalb 
ja eben glauben wir mit unseren Beobachtungen eine nahezu 
vollständige Erklärung der gesprochenen und gesungenen Vokale 
gefunden zu haben. — Wir benutzten ferner gegen die For¬ 
mantentheorie die Resultate von Versuchen, in denen, wiederum 
mit dem Interferenzapparat, gegebene Vokale in andere ver¬ 
wandelt wurden. Diese Versuche wurden zunächst planlos ge¬ 
macht. Sie wurden später wiederholt unter der Voraussetzung, 
dafs jeder einfache Ton, der in einem Klange enthalten ist, in 
diesem ebendenselben Vokalcharakter besitzt, der ihm nach den 
mitgeteilten Tabellen zukommt, wenn er isoliert gehört wird. 
Ein gesungener Vokal besteht ja nicht nur aus den Teiltönen, 
die in das für ihn charakteristische Gebiet fallen und durch 
ihre Stärke dem ganzen Klang ihre eigene Qualität verleihen. 
Sind sie durch Interferenz entfernt, so hört man die übrig¬ 
bleibenden Teiltöne als einen neuen Vokalklang, dessen Charakter 
mit dem der nunmehr stärksten Komponente übereinstimmt. 
Es braucht nicht näher ausgeführt zu werden, wie man so bei 
einiger Kenntnis der Intensitäten von Teiltönen verschiedener 
Höhe Vokalverwandlungen vornehmen kann, deren Ergebnis 
man auf Grund jener Tabellen vorausgesagt hat. — Es gibt 
schlechterdings — wir beschränken uns natürlich vorläufig auf 
das untersuchte Gebiet — keinen einfachen Ton, der die von 
uns Qualität genannte Eigenschaft nicht besäfse. Auch Diffe¬ 
renztöne, das ist ja nicht ganz selbstverständlich, bilden keine 
Ausnahme: Die Primärtöne c4 und #4, um irgend ein Beispiel 
herauszugreifen, geben den Differenzton c3, und dieser klingt, 
1 Wir sehen dabei von den Intervallfarben ab, die, ebenfalls quali¬ 
tativer Natur, in eine ganz andere Sphäre gehören.
        

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