Bauhaus-Universität Weimar

20 
Wolfgang Kohler. 
[LVIII. 78] 
nicht gar zn verschieden sind, und es ist leicht anzugeben, welche 
Frequenz die Kurvenschwebungen haben werden. Da nämlich 
je zwei benachbarte Obertöne als Vielfache des Grundtones um so¬ 
viel Schwingungen in der Sekunde differieren, wie der Grundton 
eben in einer Sekunde macht, so ist klar, dafs auf jede Grund¬ 
tonperiode eine ganze Schwebung der beiden Obertöne entfällt. 
Eben eine Schwebung kommt in allen Vokalkurven, die über¬ 
haupt den angegebenen Charakter zeigen, auf eine ganze Grund¬ 
tonschwingung, und damit haben wir das Kurvenbild, welches 
zur Formantentheorie Anlafs gegeben hat, aus der Helmholtz- 
schen Lehre auf die einfachste Weise abgeleitet. Es ist nur noch 
zu bemerken, dafs die Schwebungen der Vokalkurven deshalb 
nicht von so gleichmäfsigem Ansteigen und Abfallen sind, wie 
zwei Stimmgabeln sie geben, weil sich schwächere Komponenten 
modifizierend über die Oszillationen der beiden Haupttöne hin¬ 
lagern. 
Wenn wir nach alledem die HELMHOLTZsche Vokaltheorie 
für die richtige halten, so hoffen wir den Leser auf unserer Seite 
zu haben, bleibt doch eine andere Interpretation alles dessen, 
was wir von den Vokalen wissen, gar nicht übrig. Wir wollen 
nur noch bemerken, dafs man bei der etwaigen Nachprüfung der 
geschilderten Versuche, in denen Vokale völlig zum Verschwinden 
gebracht wurden, die Interferenzen für ganz bestimmte Obertöne 
immer besonders sorgfältig einzustellen hat, weil sonst bei deren 
grofser Intensität noch Spuren übrig bleiben, und dafs diese 
Obertöne (von wechselnder Ordnungszahl) jedesmal in dem cha¬ 
rakteristischen Gebiet des betreffenden Vokals liegen. Ent¬ 
sprechend zeigt sich bei den angegebenen Kontrollversuchen, 
dafs die freigelegten harmonischen Teiltöne, wie es die Helm- 
HOLTzsche Lehre verlangt, von grofser Stärke sind, da sie ja 
jedesmal dem Resonanzmaximum am nächsten liegen und unter 
Umständen mit ihm zusammenfallen. 
II. Die Qualitäten einfacher Tonempfindungen.1 
In dem ersten Teil dieser Untersuchungen erwies es sich als 
notwendig, Merkmale von Tonmehrheiten zu postulieren, die 
1 Das zweite lind dritte Kapitel enthalten den ausführlicheren Bericht 
über Versuche, deren Ergebnisse der Verf. z. T. schon auf dem 4. Kongrefs 
für experimentelle Psychologie in Innsbruck mitgeteilt hat.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.