Bauhaus-Universität Weimar

[LVIII. 77] 
Akustische Untersuchungen. II. 
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bedingt wird, dann aber anch das An- und Abschwellen der 
resultierenden Amplitude, welches objektive Registrierungen dieses 
Reizvorganges zeigen. Es ist wiederum ein verbreiteter Irrtum1, 
dafs beide Tatsachen, die psychische wie die physikalische, an¬ 
einander gebunden wären: wenn die psychische durch Über¬ 
schreitung physiologischer Grenzen, die wir nicht bestimmt an¬ 
geben können, zum Verschwinden gebracht ist, bleibt die physi¬ 
kalische mit Notwendigkeit bestehen; konkreter ausgedrückt: 
wenn zwei etwa gleich starke Töne so weit voneinander ab¬ 
weichen, dafs das subjektive Schwebungsphänomen sich verliert, 
behält die registrierende Kurve ihren oszillierenden Charakter 
unverändert bei. Angenommen nun, die HELMHOLTzsche Vokal¬ 
theorie wäre richtig, so wird im allgemeinen das Resonanz¬ 
maximum der Mundhöhle nicht mit der Frequenz eines Ober¬ 
tones zusammenfallen, sondern zwischen zwei Komponenten 
liegen, also beide zugleich, wenn auch in geringerem Grade, 
durch Resonanz verstärken. Die übrigen Teiltöne, auch der 
Grundton (wTie Heemann selbst gezeigt hat und meine Trommel¬ 
fellkurven bestätigen), sind im allgemeinen von geringer In¬ 
tensität 2, und wir werden wenigstens im groben ein Bild der zu 
erwartenden Kurve bekommen, wenn wir vorläufig nur die 
beiden verstärkten Partialtöne zur Superposition bringen. Nach 
dem Gesagten mufs das Resultat eine Kurve von Schwebungs¬ 
charakter sein, wenn nur die Intensitäten der beiden Komponenten 
1 Man vergleiche z. B. einen von Wundt (Phys. Psych., 6. AufL, Bd. II, 
S. 395/96) gezogenen Schlufs. 
2 Das dürfen wir wohl für gesichert halten, nachdem, hier so gut 
übereinstimmend wie hinsichtlich des „absoluten Momentes“, alle über¬ 
haupt ernstlich in Betracht kommenden Methoden der Klangaufzeichnung 
zu dem Resultat geführt haben, dafs der Grundton in Vokalen erst dann 
mit gröfserer Intensität auftritt, wenn seine Note sich dem charakteristi¬ 
schen Gebiet nähert. Wir haben es vorläufig nur mit der physikalischen 
Konstitution der Vokale zu tun und deshalb nicht die Schwierigkeit zu er¬ 
örtern, welche aus der angegebenen Tatsache für die gegenwärtige Lehre 
von den Tonempfindungen erwächst. Ebensowenig sind vorläufig Erörte¬ 
rungen darüber am Platze, welche Bedeutung den in manchen Fällen vor¬ 
handenen zweiten Verstärkungsgebieten in Vokalen zukommt. In einer 
physikalischen Untersuchung darf nur ihr Vorhandensein konstatiert und 
zugleich darauf hingewiesen werden, dafs sie naturgemäfs den Schwebungs¬ 
charakter der Kurven, von dem oben die Rede ist, zurücktreten lassen. 
Um so bedeutungsvoller könnte ihre Existenz wie die Schwäche der Grund¬ 
töne für die psychologische Akustik werden. 
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