Bauhaus-Universität Weimar

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C. Stumpf. 
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ist dann aber nicht das Quintenintervall als solches, sondern die 
verstimmte Prime der beiden vorher koinzidierenden Obertöne.1 
Die Erscheinungen bei der Quintenverstimmung sind aus 
einem besonderen Grunde sehr bemerkenswert. Wenn die Quinte 
zweier obertonfreier Töne verstimmt wird, so hört man Schwe¬ 
bungen. Die beiden Differenztöne i)1 und D2 schweben mitein¬ 
ander, und diese Schwebungen werden mit zunehmender Ver¬ 
stimmung schneller und schneller: aber es entsteht daraus 
kein dritter D. T. Dies ist ein theoretisch hervorragend 
wichtiger Fall: weil er eklatant zeigt, dafs die Entstehung 
von Schwebungen und die von Differenztönen zwTei 
verschiedene Prozesse sein müssen. Mindestens von einem 
bestimmten Punkt aus in der Reihe der Vorgänge, die sich hinter 
dem Trommelfell abspielen, mufs eine Trennung eintreten. 
5. Schwebungen von I>. T. untereinander, sowie Spaltung eines 
D. T. in zwei finden sich nur bei der verstimmten Quinte : 
Schwebungen von D. T. mit den erzeugenden P. T. nur unter¬ 
halb der kleinen Terz und nahe der Oktave. 
Schwebungen sind bekanntlich das sicherste Mittel, um konso¬ 
nante Intervalle rein zu stimmen. Aber bei den gewöhnlichen 
Musikinstrumenten benutzt man vorwiegend Schwebungen der 
Obertöne oder derjenigen D. T., die unter Mitwirkung von Ober¬ 
tönen zustande kommen. Hier soll nur die Rede sein von 
Schwebungen, die bei vollkommen obertonfreien P. T. durch D. T. 
entstehen, wTelche einander oder den P. T. benachbart sind. 
1 Auf der Beteiligung von Obertönen beruht ohne Zweifel auch eine 
Angabe in meiner Tonpsychologie II, 253: „Hinzutreten von K. T. höherer 
Ordnung, welches oft sehr rasch von der tiefsten Tiefe herauf erfolgt.“ 
Ich habe damals noch nicht mit völlig obertonfreien Klängen gearbeitet. 
Desgleichen beruht auf diesem Umstand die Angabe über den bei An¬ 
näherung an die Quinte in der Tiefe verschwindenden D. T. in meiner Ab¬ 
handlung „Über die Bestimmung hoher Schwingungszahlen durch Differenz¬ 
töne“, Ann. d. Physik, K. F., 68, S. 108. Bei den hohen Pfeifchen, um deren 
Prüfung es sich damals handelte, kann man die Obertöne nicht aus- 
schliefsen, sie können nur etwa jenseits der Hörgrenze zu liegen kommen. 
Ich bemerkte daher S. 106 ausdrücklich, dafs mit den Formeln 31—2 h usw. 
nichts über die Entstehungsweise dieser D. T. behauptet sein solle. In 
dieser Abhandlung kam es mir gerade darauf an, zu zeigen, dafs und wie 
für die Bestimmung der absoluten Tonhöhe so hoher P. T. auch die sog. 
„D. T. höherer Ordnung“ noch benützt werden können.
        

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