Bauhaus-Universität Weimar

[LV. B] Beobachtungen über Kombinations föne. 5 
musikalischen Beobachtern die Tonhöhen der möglicherweise vor¬ 
handenen K. T. genau oder annähernd vorher bezeichnet (A, 319, 
347). Ausführliche Probetabellen, 39 kleingedruckte Seiten um¬ 
fassend, sind im Anhänge der zweiten Abhandlung mitgeteilt 
(Erläuterungen dazu: A, 346). 
Hiernach differieren nun aber die Angaben der einzelnen 
Beobachter, die unter jedem Tonverhältnisse nebeneinander stehen, 
nicht blofs auffallend unter sich (der eine hört diesen, der andere 
jenen der fünf D. T.), sondern sie weichen auch grofsenteils stark 
von der berechneten Höhe der D. T. ab. In solchen Fällen 
nimmt Keüeger an, dafs diejenigen unter den berechneten 
D. T., zwischen welche der vom Beobachter angegebene Ton 
fällt, im Hörenden einen Zwischenton hervorgerufen haben. 
Unter dieser Voraussetzung sind dann allerdings aus einer der¬ 
artigen, zunächst als irrtümlich erscheinenden, Angabe eines Be¬ 
obachters sogar zwei D. T. auf einmal zu erschliefsen. 
Dafs solche Zwischendifferenztöne (Z. D. T.) möglich seien, 
erhärtet Keüeger durch den Hinweis auf die Zwischentonbildung 
bei einander nahe liegenden Primärtönen. Man hört bekanntlich 
bei Tönen mittlerer Lage, deren Unterschied weniger als einen 
halben Ton beträgt, statt der P. T. einen zwichen ihnen liegenden 
Ton als Träger der Schwebungen. Bei Erweiterung des Inter¬ 
valls treten die P. T. neben ihm hervor, endlich, etwa vom Ganz¬ 
tonintervall an, werden nur diese selbst gehört.1 Keüeger hat 
1 Ich mnfs bei dieser Gelegenheit die mir jetzt regelmäfsig, auch von 
Krueger, zugeschriebene Ehre der ersten Beobachtung dieser Tatsache ab¬ 
lehnen. Der Zwischenton ist bereits 1875 von Terquem und Boussinesq, 
Journal de Physique 4 (1875) S. 1931., erwähnt worden. Allerdings habe ich 
die Beobachtung ohne Kenntnis meiner Vorgänger gemacht, glaube auch 
eine genauere Beschreibung und zugleich eine Erklärung gegeben zu haben. 
Die beiden genannten Forscher leiten den Zwischenton einfach aus der 
Form der physikalisch resultierenden Schwingung ab. Aber da sonst all¬ 
gemein eine Zerlegung des Tongemisches durch das Ohr stattnnclet, so 
läfst sich ein Zwischenton keineswegs erwTarten, stellt vielmehr zunächst 
eine Anomalie dar, die besonderer Erklärung bedarf. Übrigens sind auch 
Bosanquet (1881) und Melde (1893) selbständig auf die Erscheinung auf¬ 
merksam geworden, und Dr. v. Hornbostel teilt mir mit, dafs er sie gleich¬ 
falls ohne vorherige Kenntnis der Literatur beobachtet habe. 
Neuerdings sagt Peterson (Combination Tones, Psycholog. Review, Mono¬ 
graph Suppl. 9, 3, S. 98, 107), für ihn sei der Zwischenton nicht ein wirk-
        

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