Bauhaus-Universität Weimar

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C. Stumpf. 
[LV. 142] 
ist die aufserordentliche Schwäche des I)1 h — t bei allen Inter¬ 
vallen jenseits der Oktave, wo der D. T. zwischen die P. T. zu 
liegen kommt. Hierüber hat bereits Keuegee ähnliche Be- 
merkungen ausgesprochen (U, 244). Töne, die, für sich allein 
gehört, annähernd gleiche Empfindungsstärke zu besitzen 
scheinen, beeinträchtigen sich in verschiedener Weise, wenn sie 
zugleich gehört werden : der tiefe scheint dem hohen mehr an 
Stärke abzuziehen als umgekehrt (Tonpsych. II, S. 228, 418 f.). 
Neuere eigene Beobachtungen scheinen mir nun zu lehren, 
dafs ein schwacher Ton durch zwTei stärkere Töne am wenig¬ 
sten leidet, wenn sie beide über ihm liegen, mehr, wenn 
sie beide unter ihm liegen, am meisten aber, wenn einer 
darüber und der andere darunter liegt. Ich möchte dies nicht 
mit Keuegee blofs auf ein mehr oder minder schwieriges Be¬ 
merken beziehen, sondern auf eine wirkliche Beeinflussung 
der Empfindungsstärke. Waetzmann zieht das gegenseitige Über¬ 
decken der Mitschwingungszonen der Schneckenfasern zur Er¬ 
klärung heran.1 Die P. T. würden danach dem zwischenliegenden 
D. T. Schneckenfasern entziehen, die sie in ihre eigenen Schwin¬ 
gungen hineinzwingen. Aber die Schwächung tritt auch ein, 
wenn die äufseren Töne, zwischen denen der geschwächte liegt, 
so weit in der Tonreihe auseinanderliegen, dals sicher keine 
Überdeckung ihrer Mitschwingungszonen stattfindet. Man kann 
nicht annehmen, dafs z. B. bei 4 : 11 die Schwingungszonen der 
P. T. in die des D. T. 7 übergreifen. Die Ursachen dieses be¬ 
sonderen Verhaltens dürften daher meines Erachtens in den 
letzten physischen Prozessen in der Hirnrinde liegen. Die 
physiologische Theorie wird in diesem Falle noch lang auf sich 
warten lassen. Aber genauere und umfassendere Beobachtungen 
über die gegenseitige Beeinflussung der Töne in Hinsicht ihrer 
Stärke wären schon jetzt sehr wohl möglich, 
1 In der oben erwähnten Habilitationsschrift S. 25, ebenso in 
späteren Abhandlungen.
        

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