Bauhaus-Universität Weimar

[LV. 141] 
Beobachtungen über Kombinationstöne. 
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brachte. Es wurden so sichtbare Schwebungen der Lamelle er¬ 
zeugt. Also das nämliche Mittel schwebender Hilfsgabeln, das 
auch für die subjektive Untersuchung als feinstes Reagens 
dient. Waetzmann hat auch im Flammenbogen einer singenden 
Bogenlampe objektive K. T. nachgewiesen.1 Die Objektivität 
von S. T. haben wir oben S. 93 und 130 selbst unter den gewöhn¬ 
lichen bisherigen Beobachtungsumständen nachweisen können. 
Die prinzipielle Frage, wie überhaupt K. T. getrennter Klang¬ 
quellen zustande kommen, dürfte voraussichtlich bei den zahl¬ 
reichen feinen Untersuchungsmitteln, die der gegenwärtigen 
Physik zu Gebote stehen, in nicht zu langer Zeit gelöst sein. 
Aber die grofse Stärke des Dr und des D2 bei Intervallen diesseits 
der Oktave kann nur Ursachen innerhalb des Kopfes haben. Den 
D.2 haben selbst Rücker und Edser mit ihrer überaus feinen 
Methode (MiciiELsoNschen Interferenzstreifen) bei der Doppelsirene, 
die zweifellos einen objektiven gibt, nicht als objektiv nach¬ 
weisen können.2 
Aufer den Prozessen im peripherischen Organ (und 
vielleicht der Mitwirkung des Schädels) sind aber wahr¬ 
scheinlich zentrale Prozesse für die Erklärung der Stärkeunter¬ 
schiede heranzuziehen. Diese aber nicht in Hinsicht der Ver¬ 
stärkung, sondern der Schwächung und Verdrängung von K. T. 
Wir fanden in dieser Beziehung, dafs in unmittelbarer Nähe 
der Quinte I)2 durch D3 verdrängt wird, während er doch mit 
ihm schwebt (S. 80f.), ferner dafs in der Nähe der Oktave, bei 
Verstimmungen nach oben oder unten, vom tieferen P. T. 
verdrängt wird, während wiederum die tiefen Oktavenschwebungen 
seine Anwesenheit in der Schnecke bezeugen. Und zwar mufs 
er da ziemlich stark sein, weil sonst die Schwebungen besser 
herauskämen, wenn auch t schwach genommen würde, während 
das Umgekehrte der Fall ist (S. 111). Es mufs also wohl ge¬ 
schlossen werden, dafs im Gehirn noch eine Wechselwirkung der 
bezüglichen Nerven Vorgänge stattfindet, bei welcher £>1 gegenüber 
dem P. T. und I)2 gegenüber Dl den Kürzeren ziehen. 
Eine andere Erscheinung, die zentralen Ursprungs sein durfte, 
1 Zur Frage nach der Objektivität der K. T. Ann. d. Physik, 4. Folge, 
20, (1906), S. 837f. Zur IiELMiioLTzschen Resonanztheorie S. 42. Über K. T. 
an der singenden Bogenlampe. Physikal. Zeitschrift, 8. Jahrg., S. 346. 
2 Philosophical Magazine 39 (1895), S. 341 f. Der Dy war auch bei Inter¬ 
vallen jenseits der Oktave noch nachweisbar, wenn auch schwächer.
        

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