Bauhaus-Universität Weimar

[XXVII. 174] Erkennen v. Intervallen u. Accorden bei sehr kurzer Dauer. 27 
Zweite Untersuchung: 
Bestimmung von Accordtönen. 
Diese Untersuchung wurde mit der ausdrücklichen Absicht 
der Nachprüfung von Schulze’s Resultaten angestellt. Ich 
wünschte mir ein Bild von den dabei vorkommenden experimen¬ 
tellen und psychologischen Verhältnissen zu machen und zu 
sehen, ob nicht das eine oder andere von seinen Ergebnissen 
sich auch unter einwandfreieren Versuchsumständen doch be¬ 
wahrheitete. 
Wundt’s Theorie von der einsmachenden Kraft des Tones 1 
und seine Ableitung der Verschmelzungsthatsachen aus der Ge¬ 
wöhnung an die harmonischen Obertöne (Nachklang der Helm¬ 
holtz’sehen Lehre von der psychologischen Klangzerlegung, die 
Helmholtz aber später selbst aufgegeben) habe ich früher als 
eine unbegründete bezeichnet. Ich würde aber natürlich, wenn 
Versuche etwas davon bestätigten, nicht zögern, es anzuerkennen. 
Es wurden daher wie bei Schulze die 6 ersten harmonischen 
Theiltöne eines Klanges als Tonmaterial benützt. Diese wurden in 
verschiedener Anzahl und verschiedenen Combinationen vorgelegt 
und die Aufgabe dahin formulirt: bei kurzdauernden Ein¬ 
drücken zu sagen, welche von den 6 Tönen im gegebenen Fall 
in dem Tongemisch vorhanden wTaren. Die Beurtheilenden 
wufsten, dafs es sich nur um diese Töne handle, und hatten 
sie vor den Versuchen einzeln gehört. 
Die Aufgabe war also erheblich schwerer gestellt als bei 
Schulze, wo sie nur zu sagen hatten, ob sie einen oder mehrere 
Töne überhaupt hörten, nicht einmal wie viele. Es hat aber, 
wie schon bemerkt, keinen rechten Zweck, bei sehr musikalischen 
Menschen — und nur solche können unter so erschwerten Um¬ 
ständen einigermaafsen übersichtliche Resultate geben — die 
Frage so unbestimmt zu stellen, weil bei der Zeitdauer von 
einer Secunde und darüber wirklich musikalische Individuen 
thatsächlich genauere Urtheile abzugeben in der Lage sind, 
vorausgesetzt dafs es sich um gleich starke Töne handelt. 
Es wurden nicht so kurze Zeiten angew^endet wie bei der 
vorangehenden Untersuchung, aber auch nicht so lange wie bei 
Schulze, der die Eindrücke 2 Secunden lang wirken liefs. Die 
Dauer betrug etwa eine Secunde und wurde regulirt durch ein 
Pendel von entsprechender Länge, welches den Hahn drehte.
        

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