Bauhaus-Universität Weimar

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Carl Stumpf. 
[XV. 285] 
scheinlich, dafs das Ergebnis eben dieser Nähe des Tritonus 
an 5:7 zu verdanken ist \ wie ich denn a. a. O. die Angabe des 
alten Gaudentius (3.—4. Jhrh. nach Chr.), der den Tritonus 
nebst der grofsen Terz zu den unvollkommenen Konsonanzen 
(Paraphonien) rechnete, hierauf zurückzuführen suchte. Wenn 
man die übermäfsige Quinte c—gis untersuchte, würde man wohl 
ähnliche Resultate erhalten, weil sie eben auch zu nahe an der 
kleinen Sext c—as liegt. Wahrscheinlich geht ohnedies die Ver¬ 
schmelzungskurve in solchen Fällen, wo zwei Konsonanzen wie 
c—g und c—as dicht beisammen liegen, dazwischen nicht auf 
ihren tiefsten Stand zurück (Tonps. II, 176). 
Man könnte auf Grund dieser Ergebnisse sogar mit Fug 
die Frage stellen, was uns berechtigt, für diese Intervalle 4:7, 
5:7 und andere etwa damit gleichwertige eine eigene Ver¬ 
schmelzungsstufe in Anspruch zu nehmen und sie nicht vielmehr 
einfach der Terzengruppe zuzurechnen. In Faist’s Tabelle steht 
der sogenannte Tritonus bald nach, bald vor, bald zwischen den 
Intervallen der Terzengruppe. Im Schlufsresultat steht er ihnen 
etwas voran; das ist aber auch nur die Folge der beiden letzten 
Versuchsreihen. Wenn wir nun die bezüglichen Ergebnisse 
hauptsächlich auf das Verhältnis 5:7 zu beziehen haben, so 
würde man daraus auf die Zugehörigkeit dieses Verhältnisses 
zur Terzengruppe schliefsen können, deren Angehörige ebenfalls 
öfters ihren Platz vertauschen. Auch die subjektive Beobachtung 
spricht nicht ganz bestimmt. Faist sagt von sich ausdrücklich, 
dafs er den Tritonus nur darum als besondere Gruppe zwischen 
der Terz-Sextengruppe und den eigentlichen Dissonanzen auf¬ 
führe, weil er zweifle, zu welchen von beiden er ihn rechnen 
solle. Meinong bildet zwar in seiner Übersicht überhaupt keine 
Gruppen, stellt aber die beiden Verhältnisse 4: 7 und 5:7 zwischen 
die Terzen und Sexten einerseits und die Dissonanzen anderer¬ 
seits. Diese Angaben widersprechen aber doch auch nicht, wenn 
wir sie als eigene Gruppe zwischen beide stellen, was meinem 
Urteil am meisten entsprechen würde. Wenn man sich darauf 
1 Nehmen wir als tieferen Ton 400 (aus der eingestrichenen Oktave), 
so ist der Tritonus hiervon in temperierter Stimmung = 565,68, in reiner 
(32:45) = 562,5, während das Verhältnis 5:7 560 ergiebt. Die letztere 
Differenz ist ganz unmerklich, aber auch die Abweichung des temperierten 
Tritonus relativ sehr gering.
        

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