Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Versuche über den dichotischen Zusammenhang wenig verschiedener Töne
Person:
Baley, Stefan
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38505/5/
[70, 325] Vers. üb. d. dichotischen Zusammenklang wenig ver sch. Töne, ßl 
„Über binaurale Tonmischung“ veröffentlicht, auf welche 
auch in der Abhandlung derselben Autoren „Experimen¬ 
telle Beiträge zur Orthosymphonie und zum Falschhören“1 
und in dem Buche von Révész „Zur Grundlegung der Ton¬ 
psychologie“ 1913, S. 63ff. Bezug genommen wird. Ganz kürzlich 
ist auch der ausführliche Bericht erschienen.2 Die Unter¬ 
suchung bezieht sich gleichfalls auf einen Fall einer patho¬ 
logischen Verstimmung. Bei v. Liebermann sind beide Ohren 
verstimmt, aber in ungleichem Mafse, so dafs eine Tonquelle 
rechts und links ungleich gehört wird. Die Verfasser sprechen 
hierbei allerdings nicht von ungleicher Höhe, sondern von 
ungleicher Qualität, während die Höhe unverändert und normal 
geblieben sei. Sachlich liegt aber der Fall im wesentlichen 
ebenso wie bei Stumpf. Denn auch v. Liebermann beobachtete an 
sich, wenn ein gemeinschaftlicher Ton beiden Ohren zugeführt 
wurde (was hier nicht durch Aufsetzen einer Gabel auf den 
Schädel, sondern durch Zuführen von aufsen geschah), die 
Bildung eines Mitteltones, und zwar entsprach seine „Qualität“ 
bei gleicher Stärke der Primärtöne, d. h. des rechten und 
linken Pseudotones, der arithmetischen Mitte der beiden 
Schwingungszahlen. War ein Ton stärker, so näherte sich 
der Mittelton diesem stärkeren Ton. Die Verfasser bezeichnen 
dies als eine binaurale Mischung der Tonqualitäten, die sie mit 
der Farbenmischung in Parallele setzen. 
Gerade mit Rücksicht auf diese pathologischen Beob¬ 
achtungen wurde ich von Herrn Geheimrat Stumpf veranlafst, 
aufs neue die Unterschiedsschwelle für gleichzeitige, an beide 
Ohren verteilte Töne im normalen Zustande, und zwar für die 
mittlere Tonregion, die Gegend von c2, unter Anwendung 
möglichst exakter Versuchseinrichtungen zu prüfen. Ich habe 
mich auf diese Tonhöhe beschränkt, weil es für den vor¬ 
liegenden Zweck nicht darauf ankam, etwa das WEBERsche 
Gesetz oder überhaupt das Verhalten der Unterschiedsschwelle 
in verschiedenen Tonregionen bei dichotischem Hören nach¬ 
zuprüfen, sondern nur das Verhalten verschiedener, normal 
1 Zeitschr. f. Psychol. 68, S. 304 (1913). 
2 Ebenda 69, S. 234 (1914). Die vorliegende Abhandlung ist vor dem 
Erscheinen dieser ausführlichen Darstellung eingereicht, doch ist keine 
Veranlassung, etwas hinzuzufügen oder zu ändern.
        

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