Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Versuche über den dichotischen Zusammenhang wenig verschiedener Töne
Person:
Baley, Stefan
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38505/14/
Stefan Baley. 
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[70, 334J 
teten Erscheinungen wesentlich verschiedenen Vorgang anzu- 
n eh in en. 
In bezug auf die von Stumpe aufgeworfene Frage, ob 
beim normalen dichotischen Hören eine wirkliche Zwischen¬ 
tonbildung wie beim monotischen Hören oder nur ein Ver¬ 
sagen der Unterscheidungsfähigkeit stattfinde, möchten wir 
uns der Entscheidung enthalten. Doch läfst sich soviel sagen, 
dafs die Schwierigkeit, die Höhe des Mitteltones gegenüber 
den Primärtönen genauer zu bestimmen, welche Stumpf als 
Grund für die letztere Annahme geltend macht, sich auch hier 
gefunden hat. Andererseits wäre eine wirkliche Zwischenton¬ 
bildung beim dichotischen Hören nicht etwa rein physiologisch 
ausgeschlossen. Man könnte sich hierüber folgende Vor¬ 
stellungen machen: 
Mit Helmholtz und Stumpe nehmen wir an, dafs der in 
die Schnecke eindringende physikalische Ton nicht nur die 
ihm genau entsprechenden Fasern reizt, sondern auch in ab¬ 
nehmendem Mafse die benachbarten. Es ist also klar, dafs 
bei kleinen Differenzen dichotisch zugeleiteter Töne auch die¬ 
jenigen Fasern, welche den zwischen den beiden Tönen gelegenen 
Tonhöhen entsprechen, in beiden Ohren mitgereizt werden. Man 
könnte nun annehmen, dafs diese Erregungen, im Zentralorgan 
angelangt, sich dort addieren und so die Kraft gewinnen, 
die den beiden Tönen adäquat entsprechenden physiologischen 
Prozesse zurückzudrängen oder eventuell in ihre eigene Energie 
hineinzuziehen. Das beim dichotischen Hören unvermeidliche 
Herüberfliefsen der Schallenergie durch die Kopfknochen von 
Ohr zu Ohr würde natürlich auch in demselben Sinne wirken, 
indem es dazu beiträgt, die Miterregung der zwischenliegenden 
Fasern zu verstärken. Auf Grund einer solchen Hypothese 
könnte das Entstehen des resultierenden Tones verständlich 
sein. Bei der grofsen Labilität zentraler Prozesse würden auch 
die von uns beobachteten Schwankungen in der Lage des Mittel¬ 
tones nicht unbegreiflich sein. 
Das gilt zunächst nur für normale Verhältnisse; es läfst 
sich aber von vornherein nicht behaupten, dafs eine solche 
Erklärung nicht auch für die pathologischen Fälle möglich 
wäre, über die Stumpe und Révész berichten. Man könnte 
z. B. annehmen, dafs infolge des krankhaften Zustandes der
        

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