Bauhaus-Universität Weimar

[VI. Kongr. 307] Über neuere Untersuchungen %ur Tonlehre. 19 
Gebrauch, womit Töne aller Schwingungszahlen von 75 Schwingungen 
an bis zur oberen Tongrenze ausgeschlossen werden können. Daß 
man auch für die allerhöchsten Töne noch wirksame Interferenzen 
herstellen kann, haben R A. Schulze und W. Köhler gezeigt. 
Im einzelnen sind die zu beachtenden Maßregeln von R. König, 
M. Meyer, R Krueger und mir näher erörtert worden. Ich 
möchte auch bei dieser Gelegenheit besonders einschärfen, daß man 
sich stets durch schwebende Hilfsgabeln vergewissern sollte, ob 
der letzte Rest eines Tones getilgt ist. Bei der Oktave des Grund¬ 
tones besteht aber die Schwierigkeit, daß die Hilfsgabel auch bei 
völligem Ausschluß dieses Tons doch noch Schwebungen geben 
kann infolge der Bildung eines Differenztones zwischen ihr selbst 
und dem Grundton. Hier muß man hohe und tiefe Schwebungen 
unterscheiden. Da dies aber nicht so einfach ist, verfahre ich jetzt 
immer so, daß ich zuerst den Grundton selbst ausschließe und 
nach seinem völligen Wegfall erst die Prüfung auf die Oktave 
vornehme. 
In bezug auf andere methodische Gesichtspunkte möchte ich 
nur auf die schon anderwärts betonte Unterscheidung zwischen 
Versuchspersonen und Beobachtern verweisen. Bei einer zweckr 
mäßigen Fragestellung kann man aus den Aussagen beliebiger, 
selbst ganz ungeübter Individuen manchmal mit mehr oder weniger 
Wahrscheinlichkeit auf Umwegen die Eigenschaften ihrer Sinnes¬ 
empfindungen erschließen. Aber Behauptungen über die Grund¬ 
eigenschaften unserer Sinnesempfindungen sollte man im allgemeinen 
nur auf die Aussagen von Beobachtern stützen, die durch lange 
Übung auf das bestimmte Gebiet eingeschult sind und auch ihre 
Einzelbeobachtungen immer wieder nachgeprüft haben. Bei diesen 
ist das unwissentliche Verfahren nicht einmal immer und in jeder 
Hinsicht das empfehlenswerteste, unentbehrlich dagegen gründliche 
Analyse der Beobachtungen und Ausmerzung der Fehlerquellen 
von Fall zu Fall, genau so wie bei naturwissenschaftlichen Beob¬ 
achtungen, die sich ja lediglich durch ihre Verwertung für die 
Erkenntnis der objektiven Welt, nicht aber ihrer Natur nach von 
den Beobachtungen des Psychologen, soweit diese die rein sinn¬ 
lichen Erscheinungen betreffen, unterscheiden. 
Eine weitere Vorfrage ist allgemein begrifflicher Art und 
betrifft die Kriterien für die immanenten Eigenschaften unserer 
Empfindungen. Wir müssen jedenfalls so viele Eigenschaften an 
einer Empfindung unterscheiden, als es unabhängige Veränderungs- 
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