Bauhaus-Universität Weimar

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C. Stumpf. 
[YI. Kongr. 330] 
Köhlers in vollem Widerspruch. Jaensch sagt (S. 264): „Niemals habe ich 
reine Töne gehört, die in wirklich überzeugender Weise wie A oder E geklungen 
hätten.“ Nach Jaensch kommt die Yokalität erst heraus, wenn die Sinusschwin¬ 
gungen in sog. „gemischte Sinuskurven“ umgewandelt werden. Damit gehen aber 
eben die einfachen Töne in ganz zusammengesetzte Klänge über. Révész sagt 
(Grundlegung S. 86), die Vokalitäten seien nur bei einfachen Tönen bemerkbar, 
nicht bei Klängen. Nun sind aber die empirischen Vokale samt und sonders Klänge; 
also würde sich ergeben, daß die Yokalität bei den Vokalen selbst nicht bemerkbar 
wäre. Übrigens widerspricht Révész hiermit auch direkt den Angaben Köhlers, 
der tatsächlich überall Vokale hört, auch bei den Instrumenten (vgl. S. 67, 105 ff. 
seiner Abhandlung). 
Graßmann, den Köhler in gewissem Umfange zur Bestätigung heranzieht, 
schreibt den Resonanzgabeln bis zu c3 den Charakter eines in der Tiefe dumpfen, 
dann immer heller werdenden, zuletzt dem Ü sich nähernden U zu, von c3 bis c4 
den des Ü, von da bis zu beliebiger Höhe den des I. Ich kann hierin nur einen 
starken Widerspruch mit Köhler finden. Ist doch von O, A, E überhaupt nicht 
die Rede. Köhler findet sich dadurch an die Protokolle aus den Vorversuchen 
mit Anfängern erinnert. Immerhin war Graßmann ein trefflicher Phonetiker 
und verstand sich auf Sinneserscheinungen überhaupt. 
Lahr (von Köhler gleichfalls erwähnt) fand, daß die Gabel von 1000 Schwin¬ 
gungen wie ein A klinge, aber nur mit mehreren tiefen zusammen. Nach deren 
Auslöschen klang sie ihm sofort wie U. Also dasselbe. 
Besser stimmt v. Wesendoncks Urteil mit dem Köhl er sehen, nur daß 
er in allen Gabeln bis b2 ein U hört, 0 aber erst durch Kombination zweier Gabeln 
(wie Helmholtz, Tonempfindungen4, S. 103) erhält. 
Sehr beweisend scheint zunächst die Übereinstimmung der Koni g sehen An¬ 
gaben mit den Köhlerschen. Hierbei ist aber nicht zu übersehen, daß bei König 
die Deduktion eine unverkennbare Rolle spielt (wie sie es freilich in der Weiter¬ 
entwicklung der Lehre, besonders in der Ausdehnung auf die höchste Region, auch 
bei Köhler tut). König kam durch die drei ÜS’s in Helmholtz’ Tabelle der 
Vokaltöne auf die Idee eines Oktavengesetzes und unterzog daraufhin die damit 
durchaus nicht übereinstimmenden U- und I-Töne Helmholtzens einer Neu¬ 
prüfung. Diese geschah aber nicht etwa durch direkte Beobachtung des Vokal¬ 
charakters von Gabeln, sondern physikalisch durch Aufsuchung derjenigen Gabel, 
die vor der Mundöffnung bei Einstellung auf den Vokal am meisten verstärkt 
wird. Hierin dürfte er sich aber mindestens beim U getäuscht haben. In Verbindung 
mit Dr. Abraham, dessen Mundhöhle auf verschiedene Weise ausgezeichnet zur 
Resonanz zu bringen ist, konnte ich nicht die geringste Verstärkung, vielmehr 
geradezu nur eine Schwächung der b-Gabel finden, glaube daher, daß König 
hier zu sehr von dem Vertrauen „auf sein „Gesetz“ beeinflußt war. Jedenfalls 
kann er in Anbetracht dieser seiner physikalischen Methode nicht als Zeuge für 
die direkte Beobachtung einer U-Qualität in der Nähe des c1 herangezogen werden. 
Aus älterer Zeit ist Willis’ Angabe, daß man bis zu einem gewissen Grade 
in der Tonreihe die Vokale von U bis I zu hören glaube (Pogg. Ann. 24, 1832, 
S. 415) von Köhler, und früher auch schon von mir selbst, herangezogen worden. 
Bereits 1780 lehrte Fr. Sltellwa^ das nämliche (s. Hirschfeld, Über d. Natur 
d. Vokale, Diss. 1898). Der oben S. 309 erwähnte Herbartianer Griepenkerl 
bezeichnet in seiner Ästhetik, 1827, S. 376 sogar als erste wohlgefällige Modifi-
        

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