Bauhaus-Universität Weimar

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G. Stumpf. 
[VI. Kongr. 306] 
Lehre Köhlers von den Vokalqualitäten der Töne1). Weiter, 
wenn auch nur nebenbei, die Lehre Jaenschs, wonach die Vokale 
als die eigentlichen Qualitäten der Geräusche zu betrachten wären 2)„ 
Endlich einiges Hierhergehörige aus der Arbeit Erl. v. Maltzews 
über das Erkennen von Intervallen in den Grenzregionen3). 
Révész betitelt seine zusammenfassende Arbeit: Zur Grund¬ 
legung der Tonpsychologie. Aber auch die beiden anderen jungen 
Forscher fassen ihre Neuerungen in demselben Sinne auf. Min¬ 
destens drei Grundlegungen also scheinen erforderlich, um das Ge¬ 
bäude auf die richtige Unterlage zu setzen. Allerdings ergänzen 
sie sich nicht so, daß man sie zusammen genommen als Eine be¬ 
trachten dürfte, sondern stehen unter sich in manchem Konflikt. 
Hoch wollen wir Zusehen, was von jeder sich tragfähig erweist. 
Hem sachlichen Berichte schicke ich einige methodische und 
definitorische Bemerkungen voraus. Immer mehr hat sich heraus¬ 
gestellt, daß man die Eigenschaften der Töne zunächst an einfachen 
Tönen untersuchen muß, und daß es nur ein Mittel gibt, bei ob¬ 
jektiven Klängen vollkommen einfache Töne herzustellen: die Be¬ 
seitigung der Obertöne durch Interferenzvorrichtungen. Ich habe 
diese Forderung 1896 formuliert4), aber an der strengen und all¬ 
gemeinen Burchführung fehlt es noch immer. An Stelle der 
Quinckeschen Interferenzvorrichtung ist die von Grützner und 
Sauberschwarz benutzte, wobei der Ton in Seitenröhren von 
1/4 Wellenlänge hin- und zurückläuft, also mit 1/2 Wellenlänge 
Hifferenz zurückkommt, gebräuchlich geworden. Obgleich man 
mehr Röhren dazu gebraucht, ist sie doch viel bequemer. Jedes 
Institut sollte solche Röhrensysteme besitzen. Im Berliner. Institut 
sind zehn Systeme mit zusammen 98 ausziehbaren Röhren im 
9 Akustische Untersuchungen I, Zeitschr. f. Psych. 54, 134ff. (wo die 
Vokalitätenlehre S. 176 ff. angebahnt ist). Diese Beiträge 4. — Über akustische 
Prinzipalqualitäten. Bericht über d. 4. Kongreß f. exp. Psych., 1911 (der Kongreß 
1910), 8. 229 ff. —Akustische Untersuchungen II, Zeitschr. f. Psych. 58, 59 ff. 
Diese Beiträge 6. — Akustische Untersuchungen. Bericht über d. 5. Kongreß f. 
exp. Psych., 1913 (der Kongreß 1912), S. 151 ff. — Akustische Untersuchungen 
III und IV. Vorläufige Mitteilung Zeitschr. f. Psych. 64, 92 ff. 
2) Die Natur der menschlichen Sprachlaute, Zeitschr. f. Sinnesphysiologie 
(Zeitschr. 1 Psych. II. Abt.) 47, 219 ff. 
3) Das Erkennen sukzessiv gegebener musikalischer Intervalle in den äußeren 
Tonregionen, Zeitschr. f. Psych. 64, 37 ff. 
4) Über die Ermittelung von Obertönen. Annalen d. Phvsik u. Chemie, 
N. E., 57, S. 680.
        

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