Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Untersuchungen zur Bezoldschen Sprachsext
Person:
Frankfurther, Walter Rudolf Thiele
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38503/26/
[Z. f. S. XLVII. 217] Exp. Untersuch, z. Bezoldschen Sprachsext. 159 
auch ohne die Annahme einer typischen Interferenz Wirkung, einer 
Umformung in einen anderen Konsonanten, erklären. 
Für die Vokale wäre auf Grund der HELMHOLTz-KÖNioschen 
sowie der KÖHLERschen1 Feststellungen zu erwarten gewesen, 
dafs bei Ausschaltung der Sprachsext das Verständnis von 0 ge¬ 
schädigt wäre, bzw. 0 wegen der erhalten gebliebenen Obertöne 
mit helleren Vokalen verwechselt werden müfste. Auch E und 
I hätten, wegen des Ausfalles der ihnen entsprechenden Eigen¬ 
töne, die zu den ungradzahligen Obertönen der durch die Inter¬ 
ferenz vernichteten Töne gehören, stark beeinträchtigt werden 
müssen. In der Tat ist bei Ausschaltung der tieferen Sext I in 
der ersten und E in der zweiten Silbe sehr schlecht verstanden 
worden, wobei I hauptsächlich mit E, E hauptsächlich mit A 
verwechselt worden ist. 
Allerdings tritt die Verwechslung von E und I, wie Gutz- 
mann festgestellt hat, schon beim gewöhnlichen Hören sinn¬ 
loser Silben auf; und auch bei unserer ersten und zweiten 
Anordnung ist I nur bei der zweiten Anordnung in der 
zweiten Silbe jedesmal richtig verstanden worden, während 
sich sonst für I und E verhältnismäfsig niedrige Werte richtiger 
Perzeption finden. Keineswegs haben sich die für O zu erwar¬ 
tenden Ausfälle, wenigstens bei dieser Vp. (Lewin), ergeben. 
Bei einer anderen (Hirscheeld) ist bei Ausschaltung der tiefen 
Sext U niemals richtig verstanden worden und 0 bei Ausschal¬ 
tung der Sprachsext nur in 30 °/0 richtig aufgefafst worden. Dies 
würde mit den oben erwähnten Lehren übereinstimmen. Wir 
glauben aber unsere Versuche nach dieser Richtung hin über¬ 
haupt nicht verwerten zu sollen, da für die Prüfung der Vokal¬ 
höhen die auszuschaltenden Tonstrecken anders gewählt werden 
müfsten, als es in unseren besonders auf die Sprachsext gerich¬ 
teten Versuchen zu geschehen hatte. So müfsten z. B., um den 
Bezirk der nach Köhler O-ähnlichen Laute vollständig auszu¬ 
schalten, die Ausschaltung etwa von einer Quart unterhalb c2 
bis zu einer Quart oberhalb c2 reichen. 
Auffällig war noch, dafs besonders das Verständnis der Um¬ 
laute bei allen vier Anordnungen relativ erschwert war, so dafs 
1 W. Köhler: Akustische Untersuchungen I. Diese Beiträge 4 (1910). 
S. 134. 
Derselbe: Akustische Untersuchungen II. Diese Beiträge 6 
(1911). S. 1.
        

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