Bauhaus-Universität Weimar

(LIX, 165] 
Differenztöne und Konsonanz. 
155 
gelegentlich der „paraphonen“ Intervalle des Gaudentius. Dann in diesen 
Beiträgen I, 67 (auch 6:7), 75, 82 (7:8 zweifelhaft), besonders aber 
II, 5ff., wo nach den Untersuchungen von Faist und von Meinong und 
Witasek die Bildung einer besonderen ,, Siebener- Gruppe*4 oder „Über¬ 
gangsgruppe“ befürwortet ist. Auch die größere physische Annehmlich; 
keit der natürlichen gegenüber der musikalischen Septime, die ich aller¬ 
dings mit ihrem Konsonanz Verhältnis nicht identifiziere, bezeichnete ich 
bereits 1893 als zweifellos. (Bemerkungen über zwei akustische Apparate, 
Zeitschrift f. Psychol. 6, 40.) Es war mir längst bekannt, daß solche 
Ansichten außer durch Helmholtz auch durch Äußerungen älterer Musik¬ 
theoretiker gestützt werden, wie ich freilich andererseits auch die Gründe 
unterschreibe, welche bereits Chladni, ja schon 1577 Salinas für den 
Nichtgebrauch der natürlichen Septime in unserem Musiksystem anführen. 
Ich gebe sogar noch weitere Zwischenstufen der Verschmelzung, wie 
4:9, 5:9, überhaupt etwa eine „Neuner-Gruppe“, unbedenklich als 
möglich zu. Aber da mit den Verschmelzungsgraden selbst auch die 
Abstände zwischen ihnen abnehmen, wie mir dies bereits Tonpsychologie 
II, 174 ff. aus den Beobachtungen hervorzugehen schien, so begreift sich, 
daß das Urteil hierüber immer schwieriger imd unsicherer wird. Es ist 
damit wie mit einer rikoschettierenden Kugel: man sieht sie 2, 3, 4 mal 
auf schlagen, dann versagt entweder die Beobachtung oder das Auf¬ 
schlagen hat wirklich ein Ende. Bloß theoretische Konstruktionen haben 
natürlich hier keine Beweiskraft. Aber auch beobachtete Unterschiede 
der Annehmlichkeit oder der sonstigen Gefühlswirkung, die ich selbstver¬ 
ständlich anerkenne, beweisen nicht entsprechende Unterschiede der Ver¬ 
schmelzungsgrade. 
Wie sollte ich nun plötzlich dazu kommen, alles dieses zu ver¬ 
leugnen ? Es ist sonst nicht meine Art, in einem wesentlichen 
Punkte so nebenher einen Meinungswechsel zu vollziehen, ohne 
den Leser ausdrücklich darauf hinzuweisen. 
Der anscheinende Widerspruch löst sich einfach. Wenn ich 
in der oben angezogenen Stelle sagte: „Die Sache liegt ebenso 
bei 11: 15 usw., so meinte ich nicht, dafs diese übrigen, weiter 
aufgezählten Intervalle sämtlich ebenso wie 8:11 ausge¬ 
sprochene Dissonanzen seien, sondern dafs sie ebenso 
wie 8:11 nach Kruegers Theorie vollkommene Kon¬ 
sonanzen sein müfsten. S. 102 am Schlüsse der An¬ 
merkung, wo ich darauf zurückkomme, ist es auch ausdrück¬ 
lich so formuliert: „Man müfste erwarten, dafs diese sämtlichen 
Zwischenintervalle längst als vollkommene Konsonanzen hätten 
erkannt werden müssen.“ Das ist der Kern und die Pointe 
meiner Beweisführung. Indem sich nun Kruegers Erwiderung
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.