Bauhaus-Universität Weimar

[LIX. 163] 
Differenztöne und Konsonanz. 
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treten. Sobald die schwebenden Töne weiter auseinanderrücken, hört man 
keinen Zwischenton mehr, sondern nur die beiden schwebenden Töne selbst. 
Aus diesen Beobachtungen darf man aber nicht etwa schließen, daß 
auch Schwebungen von Differenztönen eines und desselben Tonpaares mit 
Zwischentonbildung verknüpft sein müssen. Vielmehr wird eben die 
Entstehung eines Zwischentones an die Einwirkung zweier ihn erzeugenden 
objektiven Schallreize auf die Schnecke gebunden sein. Jedenfalls 
ist bei den wenigen Intervallen, wo die beiden Differenztöne eines ein¬ 
zigen Paares einfacher Primärtöne unter sich oder mit einem von diesen 
Primärtönen Schwebungen geben (bei der verstimmten Prime, Quinte 
und Oktave) keine Spur von Zwischen tönen von mir beobachtet worden. 
Die obige positive Beobachtung liefert vielmehr nur wieder einen 
neuen Grund gegen die KRUEGERsche Theorie. Denn sie lehrt, daß 
Zwischentöne von Differenztönen, wo sie überhaupt Vorkommen, nur bei 
ganz kleinen Intervallen dieser Differenztöne auf treten, und daß Differenzen 
von 100 Schwingungen, die ich, um Krueger entgegenzukommen, in seinem 
ersten Artikel hypothetisch dafür annahm, viel zu hoch gegriffen sind. 
Unter den in meiner Abhandlung über Kombinationstöne mit¬ 
geteilten Beobachtungen findet sich übrigens noch eine weitere Tatsache, 
auf deren Unverträglichkeit mit Kruegers Konsonanztheorie mich 
Dr. W. Köhler aufmerksam gemacht hat: die subjektive Vertiefung einer 
Klangquelle bei Annäherung des Ohres, welche in mittlerer Lage leicht 
einen halben Ton erreichen kann, verändert nicht das geringste an der Höhe 
der Kombinationstöne (a. a. O. S. 106 ff.), während eine Konsonanz dadurch 
in eine Dissonanz, z.B. eine Quinte in einen Tritonus oder umgekehrt, über¬ 
gehen kann. 
Ich benutze endlich die Gelegenheit, ein Versehen und zwei Druck¬ 
fehler in jener Abhandlung richtigzustellen. Zu S. 92 Anm. : Nachträglich 
habe ich den von M. Meyer erwähnten Interferenzversuch doch in meinem 
Protokoll aufgefunden. Zu S. 131: Statt ,,3.“ muß in den Überschrift 
stehen: ,,b)“. Im Inhaltsverzeichnis (der Separata und der Beiträge V) 
ist dementsprechend auf der zweiten Seite Zeile 7 zu streichen. 
Wenn ich trotzdem auf Kruegers Verteidigung gegen meine 
ursprünglichen Einwände jetzt noch besonders eingehe, so ge¬ 
schieht es, weil ich kurz zeigen zu können hoffe, dafs die Haupt¬ 
grundlagen seiner Erwiderung erstlich ein MifsVerständnis, zwei¬ 
tens eine irrige Behauptung sind, und weil ich an dem Mifs- 
verständnis eine gewisse Schuld trage. 
1. Beginnen wir mit diesem. Ich war davon ausgegangen, 
dafs eine unzweifelhafte Dissonanz, 800 : 1100, ein zwischen Quarte 
und Quinte liegendes Intervall, nach Krueger zu den vollkommenen 
Konsonanzen gehören müsse. Denn die 5 Differenztöne, die durch 
fortgesetzte Subtraktion herauskommen, 300, 500, 200, 100, 100, 
könnten unter sich und mit den Primärtönen keine irgend merk-
        

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