Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Konsonanz und Konkordanz. Nebst Bemerkungen über Wohlklang und Wohlgefälligkeit musikalischer Zusammenklänge
Person:
Stumpf, C.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38499/23/
138 
C. Stumpf. 
[LVIIL 343] 
sind hier ausschlaggebend und lassen uns die Unreinheiten ent¬ 
weder ganz überhören oder absichtlich ignorieren. Weil die 
Konkordanz von vornherein eine beziehende Tätigkeit vor¬ 
aussetzt, ist diese in unserem Musikhören zu einer außerordent¬ 
lichen Virtuosität entwickelt. Das ist auch für die Theorie des 
musikalischen Gefühles von grofser Wichtigkeit. Denn man er¬ 
kennt daran ohne weiteres, wie sehr auch unser Wohlgefallen 
und Mifsfallen sich von den rein sinnlichen Faktoren (Schwe¬ 
bungen u. dergl.) zu emanzipieren vermag. 
Auf einige besondere Fälle will ich noch kurz eingehen, 
um die Anwendung der Begriffe zu erläutern. 
Der Neben dreiklang d:f:a in O-dur ist der Rechnung nach 
ein Diskord, da das a der U-Leiter als Terz von f nicht die 
reine Quinte von d ist. c : a = 27 : 40. Der Akkord hat also 
rechnerisch eben keine Quinte, aber er wird durch die Auf¬ 
fassung legitimiert, wie tausend andere nicht ganz reine Drei¬ 
klänge, die wir zu hören bekommen. Wir fassen ihn als genau 
so konkordant wie e : g :h, indem er als Nebendreiklang ver¬ 
standen und die kleine Unreinheit seiner Quinte überhört oder 
ignoriert wird. Auf dem Klavier sind ja ohnedies alle Quinten 
gleich unrein und unterscheidet sich diese Quinte in nichts von 
der des Grunddreiklanges. Gerade durch den Gebrauch der 
temperierten Instrumente ist die Auffassung dieses Dreiklanges 
im Sinne des Konkordes vollends durchgedrungen. 
Als Nebendreiklang in C-dur tritt dieser Akkord beispielsweise in 
folgenden harmonischen Gängen auf: 
Allerdings kann der Akkord d:f:a in solchen Fällen, wo er durch Ver¬ 
mittlung des Dominantakkords nach C zurückführt, immer auch als aus 
dem Quintsextakkord entstanden gedacht werden, dessen Quinte (c) elidiert 
und dessen hinzugefügter Ton (d) um eine Oktave vertieft ist. Doch wird 
bei sequenzartigen Gängen wie den obigen zuerst die Auffassung als Neben¬ 
dreiklang vorherrschen und nur nachträglich, wenn sich die Kadenz als 
solche herausstellt, die Umdeutung eintreten. In beiden Fällen aber, für 
beide Auffassungsweisen, ist das Verhältnis d : a kein reines. Denn das
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.