Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Konsonanz und Konkordanz. Nebst Bemerkungen über Wohlklang und Wohlgefälligkeit musikalischer Zusammenklänge
Person:
Stumpf, C.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38499/2/
[LVIII. 322] 
Konsonanz und Konkordanz. 
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Charaktere überhaupt nicht zeigen könnten, wonach ferner dieser 
Gegensatz sich in einen blofs graduellen Unterschied auflöste, wo¬ 
nach endlich der Moll dreiklang (infolge der kollidierenden Ober¬ 
und Differenztöne) sich vom übermäfsigen Dreiklang kaum unter¬ 
scheiden würde, bedenklich gefunden. Darum hat auch die 
Polemik, die aus dem akustischen Lager selbst sich immer mehr 
gegen Helmholtz erhob, starken Beifall gefunden. Dafs Felix 
Kruegers Rekurs auf die Differenztöne und seine sonstigen Modi¬ 
fikationen der HELMHOLTzschen Lehre die wesentlichsten Ein¬ 
wendungen nicht beseitigen und neuen, eben so zwingenden aus¬ 
gesetzt sind, scheint mir offenbar.1 Meine eigene Konsonanz¬ 
definition, welche die auch bei einfachen Tönen beobachtbaren 
Verschmelzungsunterschiede zugrunde legt, wurde von den 
Musikern, soviel ich bemerkte, freundlicher als die Helmholtz- 
sche aufgenommen — hat doch Hugo Riemann 1891, kaum dafs 
die Untersuchung darüber veröffentlicht war, die Verschmelzung 
für das „erlösende Wort“ erklärt —: aber durchgedrungen ist 
sie noch nicht, begegnet vielmehr gerade in neuerer Zeit mehr¬ 
fach beträchtlichem Widerspruch aus diesem Lager. 
Die folgenden Überlegungen sind durch das Nachdenken 
über diese Divergenzen angeregt und haben mich zu der Er¬ 
kenntnis geführt, dafs hier allerdings noch gewisse grundsätzliche 
Auffassungsverschiedenheiten obwalten, denen man aber nur 
scharf ins Auge zu sehen braucht, um auch die Möglichkeit einer 
Verständigung auf gemeinschaftlicher Basis zu erkennen. Ich 
will gern gestehen, dafs ein Teil der Schuld auf meiner Seite 
liegt, vor allem in der Nichtfortsetzung der „Tonpsychologie“, 
die erst im 3. und 4. Bande in das eigentlich musikalische Gebiet 
übergehen sollte. Deren systematische Ausarbeitung würde mich 
sicher bald auf das im folgenden zu erläuternde Verhältnis der 
beiden Begriffe geführt haben, in denen sich die prinzipiellen 
Streitpunkte zwischen den Parteien konzentrieren.2 Hoffentlich 
dient die Untersuchung auch jetzt noch ein wenig dem Fort¬ 
schritte der Theorie, um deren gesicherten Aufbau wir alle uns 
bemühen. 
1 Vgl. die Artikel im fünften und im gegenwärtigen Hefte dieser 
Beiträge. 
2 In einem 1898 ausgeführten Kapitel „Das System unserer Musik“ 
sind die Begriffe und Ausdrücke „Konkord, Diskord“ bereits ganz so wie 
hier erklärt, nur die Abstrakta „Konkordanz, Diskordanz“ fehlen noch.
        

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