Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Variations- und Unterbrechungstöne in ihrer Beziehung zur Theorie des Hörens
Person:
Schaefer, Karl L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38497/3/
[Char.-Ann. 659/660] Über Variations- und Unterbrechungstöne usic. 85 
so hat der Vokal die Note c°. Das Wesentliche wäre also ein 
intermittierendes oder oszillierendes Anblasen des Mnndtones 
durch die Stimme. Hebmann verkennt zwar die seiner Theorie 
entgegenstehende Schwierigkeit nicht, die darin besteht, dafs wir 
beim Singen eines Vokals auf die Note c° den Ton c° bei weitem 
am stärksten hören, während er bei der Analyse des Vokal- 
phonogramms „so gut wie vollkommen fehlt“, meint jedoch, 
seine Auffassung der Vokale sei leicht verständlich, „wenn das 
Ohr jede Art von Periodik mit einer Tonempfindung beant¬ 
wortete , also auch das schwebungsartige Intermittieren eines 
Tones als einen Ton von der Schwingungszahl des Intermittierens 
hörte“. Und schliefslich hat unter den Psychologen, die ja auch 
die Theorie der Gesichts- und Gehörswahrnehmungen wie der 
Sinnesempfindungen überhaupt als zum Bereiche ihrer Spezial¬ 
wissenschaft gehörig betrachten, kein Geringerer als W. Wundt 
neben anderen akustischen Erscheinungen gerade die Intermit- 
tenztöne zum Anlafs genommen, eine neue Theorie des Hörens 
aufzustellen1, nach welcher jeder Ton, den unser Ohr empfängt, 
auf einem doppelten Wege ins Zentralorgan gelangt, indem er 
einmal ganz im Sinne der Resonanzhypothese auf das CoBTische 
Organ wirkt und zweitens überdies durch Knochenleitung direkt 
auf den Nervenstamm übertragen wird, wobei dann jede Akusti- 
kusfaser jeden beliebigen Ton weiter zu leiten fähig und das 
Entstehen von akustischen Interferenzerscheinungen noch inner¬ 
halb der nervösen Substanz möglich sein soll. 
Merkwürdigerweise haben die hier genannten Autoren und 
ihre nicht wenigen Anhänger es immer stillschweigend für selbst¬ 
verständlich gehalten, dafs die Unterbrechungstöne als exquisit 
subjektive Töne erst im inneren Ohre oder gar erst in der ner¬ 
vösen Substanz entständen. Hätte gleich der erste Beobachter 
derselben sich unbefangen die Frage vorgelegt und zu beant¬ 
worten versucht, ob die Intermittenztöne nicht etwa als regel¬ 
rechte Teiltöne des Gesamtklanges bereits in der Luft nach¬ 
weisbar oder sonst irgendwie mit der Resonanzhypothese in Ein¬ 
klang zu bringen seien, so würde man zweifellos schon damals 
ihre wahre Natur erkannt haben und gar nicht erst darauf ge¬ 
kommen sein, aus ihrer Existenz der HELMHOLTzschen Resonanz¬ 
hypothese sozusagen einen Fallstrick zu drehen. 
1 Ist der Hörnerv direkt durch Tonschwingungen erregbar? Philosoph. 
Studien 8. 1898.
        

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