Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Variations- und Unterbrechungstöne in ihrer Beziehung zur Theorie des Hörens
Person:
Schaefer, Karl L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38497/12/
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Karl L. Schaefer. 
[Char.-Ann. 667/668] 
gleich hohen Schwingungszahl nebeneinander. Sie liefsen sich 
dadurch unterscheiden, dafs die Klangfarbe des ersteren heller, 
die des letzteren dumpfer und weicher, sowie dadurch, dafs ihre 
Lokalisation eine verschiedene war: der Scheibenton kam aus 
der Gegend der Scheibe, während der andere Ton von den Be¬ 
obachtern in den eigenen Hinterkopf verlegt wurde, ein Um¬ 
stand, der, nebenbei bemerkt, schon allein für die Differenzton¬ 
natur der die Variationstöne begleitenden vermeintlichen Unter¬ 
brechungstöne sprechen würde.1 
Gleichwie wir gesehen haben, dafs bei den angeblasenen 
SEEBECKschen Sirenen mit periodisch zu- und abnehmenden Loch¬ 
durchmessern und dementsprechend periodischem An- und Ab¬ 
schwellen der Tonintensität eben durch diese Stärkeschwan¬ 
kungen ein physikalischer Unterbrechungston entsteht, mufste 
man ferner daran denken, dafs auch die vor rotierender Löcher¬ 
scheibe tönende Gabel unabhängig von Scheibenton und Varia¬ 
tionstönen durch die blofsen Oszillationen der Intensität die 
Bildung eines physikalischen Tones von der Schwingungszahl m 
veranlassen möchte. Natürlich haben Abkaham und ich mit 
Hilfe von Resonatoren versucht, hierüber nach Möglichkeit Auf¬ 
klärung zu schaffen; indessen liefs sich über die Existenz eines 
solchen Tones neben dem gleich hohen, selbst physikalischen 
und durch den zugehörigen Resonator deutlich lauter werdenden 
Scheibenton nichts sicheres ermitteln. 
Noch eine andere Frage ist von Ebbinghaus im Anschlufs 
an unsere Studien über die Beziehung zwischen Variations- und 
Unterbrechungstönen aufgeworfen worden. Ebbinghaus schreibt 
in seinem bekannten Werke „Grundzüge der Psychologie“2: 
„Allerdings ist durch die Untersuchungen von Schaefer und 
Abraham nachgewiesen worden, dafs diese Unterbrechungstöne 
in gewissen Fällen ihres Zustandekommens durch Resonatoren 
verstärkt werden, also objektiv vorhanden sind. In anderen 
Fällen, wo eine solche Verstärkung nicht festzustellen ist, können 
sie als Differenztöne anderer objektiv existierender Töne auf- 
gefafst werden. Wenn nämlich ein Ton von der Schwingungs- 
1 Vgl. Karl L. Schaefer, Über die Wahrnehmung und Lokalisation von 
Schwebungen und Differenztönen. Zeitschr. f. Psychol, u. Physiol, d. Sinnes¬ 
organe 1, S. 81 ff. 1890. 
2 2. Aufl., Bd. 1, S. 329 f. Leipzig 1905.
        

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