Bauhaus-Universität Weimar

Akustische Untersuchungen. I. 
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[LIV. 258] 
— damit kommen wir auf die Akkommodationsfrage zurück — 
es ist für Richtung und Betrag des Zuwachses völlig gleichgültig, 
ob der hinzukommende Ton über oder unter dem ersten liegt, 
der Betrag zeigt sich vielmehr wieder nur von der Intensität 
abhängig und ist immer positiv, nach jener Hypothese müfste 
er in einem Falle positiv, im anderen negativ sein. Wenigstens 
sollte man denken, dafs sich der Tensor, einmal dazu bestimmt, 
das Trommelfell qualitativ zu akkommodieren, für eine Mittel¬ 
stellung entscheide, wenn man ihm mit zwei gleichzeitigen Tönen 
kommt. In welche Verlegenheit aber müfste er geraten, sobald 
der eine aus der Subkontra-, der andere aus der fünfgestrichenen 
Oktave gewählt wird, oder vollends, wenn der reichhaltige Akkord 
eines modernen Orchesters mit Eigentönen des Trommelfells ver¬ 
sorgt sein will! 
Ob der Reflex überhaupt für verschieden hohe Töne bei 
gleicher Intensität irgend verschieden ausfällt, darüber können 
wir eine endgültige Entscheidung noch nicht geben, weil das 
Desiderat aller Akustiker, ein Instrument, das die Skala reiner 
Töne in mefsbaren Stärken herzustellen erlaubt, vorläufig noch 
Desiderat ist und bleiben wird. Beobachtet wurde bisher vom 
Anfang der kleinen bis zu dem der fünfgestrichenen Oktave. 
Wenn Unterschiede vorhanden sind, beschränken sie sich auf eine 
geringe Abnahme der Tensorbewegung bei den höchsten Tönen, 
aber die waren zwar unangenehm, doch (mit der Galtonpfeife) 
nicht so laut zu bekommen, wie die der mittleren und tiefen 
Regionen. Was helfen übrigens subjektive Abschätzungen objek¬ 
tiver Intensitäten in einem Falle, wo vielleicht die letzteren durch 
die Wirksamkeit eben des Tensors für den Urteilenden modi¬ 
fiziert werden? Als sehr wahrscheinlich kann indessen gelten, 
dafs in den mittleren Oktaven die Reflexgröfse überhaupt 
nicht Funktion der Tonhöhe ist. Wenn frühere Autoren an¬ 
geben, die Vokale a e i o u erzielten in dieser Reihenfolge 
bei gleicher Tonhöhe (?) und Stärke immer schwächere Reaktionen, 
so dürften wohl doch Intensitätsunterschiede zur Erklärung 
heranzuziehen sein (vgl. Stumpe, „Tonpsychologie“ II, S. 299f.). 
Wir können nichts davon bemerken, wenn wdr uns Mühe geben, 
die Vokale gleich stark zu singen oder zu sprechen. Aufserdem 
würde die Akkommodationstheorie mit einer solchen Tatsache 
nichts anfangen können; denn die charakteristischen Tonhöhen 
der Vokale, auf die es doch wohl abgesehen ist, liegen, wie sich
        

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