Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Orthosymphonie. Beitrag zur Kenntnis des Falschhörens
Person:
Liebermann, Paul v. Géza Révész
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38493/14/
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Paul v. Liebermann und Géza JRéoész. 
[XLVIII. 272 
Falschhörens. Zur genaueren Feststellung der Pseudotöne und 
deren Verhalten bei sukzessiver und simultaner Vorführung 
eignete sich am rechten Ohr besonders cis2, am linken besonders 
cP. Die Untersuchung ergab für cis2 am rechten Ohr einen 
Pseudoton zwischen c2 und cis2, näher zu c2, für d2 am linken 
einen Pseudoton zwischen cis2 und d2, näher zu cts2. 
Die Prüfung auf Orthosymphonie ergab bei dieser Versuchs¬ 
person kein so eindeutiges Resultat wie bei dem einen von uns. 
Die ersten Versuchsreihen, mit cis2 am rechten und d1 am linken 
Ohr ausgeführt, führten zu dem Ergebnis, dafs die simultanen 
Intervalle mit ganz vereinzelten Ausnahmen im Sinne des 
Pseudotones beurteilt wurden. Eine solche Ausnahme trat 
ein, als dem linken Ohr die simultane Oktave cP—d2 vorgeführt 
wurde. 
Da die Versuchsperson stets imstande war, den Akkord zu 
zerlegen, dies stets im Sinne des Pseudotones geschah, und 
wir bis dahin ein Urteil in diesem Sinne nur beim Zerlegen be¬ 
obachtet hatten, so nahmen wir an, dafs die Abweichung von der 
Orthosymphonie nur scheinbar sei und auf Heraushören beruhe. 
Dies stimmte damit, dafs gerade die schwer zerlegbare Oktave 
eine Ausnahme machte. 
Wir mufsten also annehmen, dafs die „latente“ Ortho- 
symphonie durch Ausschlufs des Heraushörens, also bei sehr 
kurzem Exponieren der simultanen Intervalle, zum Vorschein zu 
bringen wäre. Solche Versuche haben wir zwei Monate später 
ausgeführt, und tatsächlich überwogen jetzt die orthosymphoni- 
schen Urteile, doch zeigte die Kontrolle, dafs solche nun auch 
bei längerer Exposition häufig zu erhalten waren. 
Wir können demnach die Bedingungen der Orthosymphonie 
bei dieser Versuchsperson nicht vollständig zusammenfassen und 
wollen nur noch bemerken, dafs die Art der Intervalle eine 
Rolle zu spielen scheint. Dies zeigt Tabelle XI, in der die am 
Klavier ausgeführten Momentanexpositionsversuche zusammen¬ 
gestellt sind. Dafs der ganz kurze Anschlag die volle Sicherheit 
des Intervallurteils nicht beeinträchtigt, haben Kontrollversuche 
ergeben. 
Aus der Tabelle scheint hervorzugehen, dafs kleine Inter¬ 
valle und sehr konsonante, aber nicht zu grofse Intervalle zur 
Orthosymphonie neigen.
        

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