Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Unterschiedsempfindlichkeit für gleichzeitige Töne
Person:
Schaefer, Karl L. Alfred Guttman
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38489/5/
[XXXII. 91] Tiber d. Unterschiedsempfindlichkeü für gleichzeitige Töne. 55 
variators überein stimmt, kombiniert werden ; im übrigen wurden 
immer zwei STEEUsche Flaschen zusammen als Tonquellen be¬ 
nutzt. 
Der Verlauf einer einzelnen Beobachtungsreihe pflegte der 
folgende zu sein. Ein Flaschenpaar wurde mit Hilfe einer 
Stimmgabel auf die zu untersuchende Tonhöhe gebracht und 
unison gestimmt, worauf die Versuchsperson im Beobachtungs¬ 
zimmer an der Schallleitungsröhre, die durch einen zweiten 
Raum hindurch in den Instrumentensaal führte, Platz nahm. 
Um möglichste Gleichmäfsigkeit der physikalischen Bedingungen 
für alle Versuche zu erzielen, war anfänglich die Verabredung 
getroffen, das Ohr dicht an die Mündung des Leitungsrohres zu 
legen. Es ergab sich aber bald, dafs dies die Klanganalyse 
merklich erschwerte, weshalb später immer ein gewisser kleiner 
Zwischenraum zwischen Ohr und Röhre gelassen wurde. Dem 
Beobachter ward zuerst das Unisono der Töne zu Gehör gebracht 
und hierauf, wenn das Fehlen von Schwebungen bestätigt war, 
die eine Flasche, während die andere dauernd konstant blieb, 
durch eine 5 oder 10 Grad betragende Drehung ihrer Kurbel¬ 
scheibe um ungefähr eine bis zwei Schwingungen verstimmt. 
Hatte der Hörer sein Urteil über die Einzelheiten des so ver¬ 
änderten Klanges abgegeben — es geschah dies in ganz ähn¬ 
licher Weise wie in den Versuchen Kruegees — so wurde das 
Intervall wieder um einen geringen Betrag verändert und so 
fortgefahren, bis eine genügende Menge von Intervallen zwischen 
dem Unisono und der Zweiheitsgrenze durchgeprüft war. Hin¬ 
sichtlich der Zahl, Gröfse und Reihenfolge der einzelnen Inter¬ 
valle wurde absichtlich keine bestimmte Regel inne gehalten, 
um den Beobachter an etwaigen Schlufsfolgerungen aus der 
blofsen Anordnung der Versuche möglichst zu hindern. Ein 
völlig unwissentliches Verfahren ist freilich insofern ausge¬ 
schlossen, als jeder Geübte die Tondistanzen bis zu einem ge¬ 
wissen Grade nach der Frequenz der Schwebungen zu beurteilen 
vermag. Indessen kommt hier auch wieder in Betracht, dafs die 
Versuchspersonen im Interesse des Heraushörens der Teiltöne 
aus dem Zweiklang stets bemüht wTaren, von den Schwebungen 
zu abstrahieren. Dafs dies ziemlich leicht gelingt, hat bereits 
Stumpe in seiner Tonpsychologie1 angegeben und wir können 
es bestätigen. 
1 Bd. II, S. 182.
        

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