Bauhaus-Universität Weimar

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C. Stmnpf. 
höheren Octaven für sich allein enthalten, weichen nur an zwei 
Stellen (bei 773) um sechs Schwingungen von der Berechnung 
ab, einmal um vier, sonst überall um weniger. 
Wie grofse Unterschiede begegnen uns dagegen, wenn wir 
die siamesische mit unsrer diatonischen und temperirten Leiter ver¬ 
gleichen. Die siamesische Terz entfernt sich in der That ebenso von 
der grofsen wie der kleinen, und noch mehr von den temperirten 
Terzen, da diese selbst sich mehr als die reinen unterscheiden; 
ebenso ist es bei den Sexten und den Septimen. 
Hiernach betrachte ich die Existenz der gleichstufigen 
Siebentonleiter bei den Siamesen als völlig sicher¬ 
gestellt. Zugleich aber auch eine bewunderungswürdige Ge¬ 
nauigkeit ihres Gehörs in der Herstellung dieser Leiter; zumal 
wenn man noch in Rücksicht zieht, dafs es sich um Orchester¬ 
instrumente handelte und dafs die Stimmung doch nicht ad hoc, 
mit der Aussicht auf experimentelle Prüfung mit dem Ton¬ 
messer, sondern nur eben für gewöhnliche praktische Zwecke 
hergestellt war. Ich glaube nicht, dafs unsere Musiker unsere 
Stimmung unter solchen Umständen so exact zu Tage brächten. 
Ellis hat eine Probe gemacht, indem er verschiedene Instrumente, 
Piano’s, eine Orgel und ein Harmonium verglich, die durch die 
Stimmer der BßOADWoon’schen Fabrik abgestimmt waren.1 
Eines derselben (Nr. 3) hatte allerdings nur Abweichungen bis 
höchstens 5/ioo des temperirten Halbtons, andere aber bis zu 
1:L/ioo) was in der Octave 400—800 dem mittleren Werth von 
etwa vier Schwingungen entspricht. Dieses Resultat erzielten 
also die ausgesuchtesten Stimmer von England; und dabei 
kommt noch in Rechnung, dafs unsere Stimmer die Schwebungen 
benutzen, auf deren Abschätzung sie auch ohne wirkliche 
Zählung eingeübt sind, während die Siamesen ein solches 
Hülfsmittel nicht benützen, sondern nach dem blofsen Eindruck 
der auf einander folgenden Töne urtheilen. 
Dafs freilich auch unter ihnen mehr und minder gut ge¬ 
stimmte Instrumente benützt werden, zeigen die beiden von 
Ellis untersuchten Ranat’s, die doch auch guten Künstlern an¬ 
gehörten (Rubrik I und II). Ihre Abweichungen sind theilweise 
1 S. die Anfangs erwähnte Abhandlung S. 489 (die 7. Reihe kommt 
hier nicht in Betracht, W'eil sie durch genaue Abzählung der Schwebungen 
erzielt ist).
        

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