Bauhaus-Universität Weimar

[XXL 121] Beobachtungen über subjective Töne und über Doppelthören. 51 
nach oben hin, der Ton wurde als d3 gehört, weiter hinauf 
nahm die Differenz ab und betrug von d3 an bis er3 * nur mehr 
einen Halbton. Der Verlauf nach unten von a2 und die beider¬ 
seitigen Grenzen sind nicht angegeben. Am folgenden Tage fand 
sich die Verstimmung noch ebenso. 
Biedermann sagt aus, dafs er Aehnliches schon früher er¬ 
lebte, beispielsweise als er 1 % Jahre vorher sehr viel Violine 
übte und zugleich unsere Versuche über die Reinheit von 
Terzen an Zungenapparaten mitmachte. Damals trat das 
Doppelthören gleichfalls direct nach dem Spielen hoher Töne 
auf, als er ans Fenster in die kalte Luft trat. Die Verstimmung 
betraf ebenfalls die hohe Region, hatte aber nicht die Gröfse wie 
das letzte Mal. Von g» nach e3 heruntergehend schien ihm Alles 
wie g3 zu klingen, also g'?J unmittelbar in e8 überzugehen. 
Zur Erklärung des Doppelthörens weifs ich hier nichts Neues 
beizubringen.1 Man hat es in der letzten Zeit öfters auf das 
Mittelohr zurückführen wollen2, ohne aber genauer anzugeben, 
wie Veränderungen der Tonhöhe bis zu einer Quarte und Quinte 
durch die Leitungsapparate hervorgebracht werden sollen. Die 
Erscheinungen gehören, wie die der subjectiven Töne, zu 
denjenigen, an welchen eine Theorie des Hörens sich zu er¬ 
proben hat. Dazu müssen sie aber vor Allem genau beob¬ 
achtet sein, und hierfür kann ich in den vorliegenden Fällen ein¬ 
stehen. 
1 Vgl. Tonpsyeh. I, 274 f. die Deutung auf Grund der Helmholtz’scheu 
Lehre. 
2 H. Daae in der S. 117 citirten Arbeit. Capedek, Zur Casuistik der 
Diplacusis binauralis, Basler Dissert. 1895 (Verstimmungen im Betrag einer 
Terz, einer Quinte). Dieser Autor vermuthet theils Labyrinthläsionen, 
theils Mittelohraffectionen, und beruft sich für letzteren Fall auf die Modi¬ 
fication eines Tons durch den VALSALVA’schen Versuch, fügt aber selbst 
bei, dafs diese nur % — 1j2 Ton betrage.
        

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