Bauhaus-Universität Weimar

[XXL 119] Beobachtungen über subjective Töne und über Doppelthören. 49 
Weiter untersuchte ich die Wirkung beim Aufsetzen der 
Stimmgabel auf verschiedene Theile des Schädels. 
Auf den Scheitel gesetzt gab sie einen zwischen dem 
normalen und dem verstimmten Ton, doch mehr nach dem letzteren 
hin liegenden, auch im Kopfe mehr links localisirten Ton, ver- 
knüpft mit einem nur ganz schwachen Eindruck der Falsch¬ 
heit, aus dem allein ich aber nicht auf einen Doppelton ge¬ 
schlossen haben würde. 
Auf die rechte Schläfe gegen vorn hin gesetzt gab sie einen 
stärkeren Mittelton, der aber auch mehr links im Kopfe zu 
liegen schien, ohne deutliche Beimischung von Unreinheit. Dafs 
er in der Tonreihe zwischen beiden Tönen lag, liefs sich leicht 
durch Vergleichung mit den Tönen, die die Stimmgabel vor 
jedem Ohr gab, erkennen. 
Weiter gegen das rechte Ohr, einen Finger breit vom Tragus, 
spaltete sich der Ton; beide Töne waren gleichzeitig gesondert 
zu hören und auch gesondert localisirt; der linke erschien wie 
ein näselnder Beiton. Auf dem Tragus selbst wurde nur der 
Normalton gehört. Aber in dieser Gegend war die Erscheinung 
sehr wechselnd bei kleinen Verschiebungen, offenbar wegen der 
Verschiedenheit der Knochenleitung von einzelnen benachbarten 
Punkten aus. 
An der linken Schläfe vorn war die Erscheinung ähnlich wie 
auf dem Scheitel, hauptsächlich der tiefere Ton hörbar, der 
normale nur schwach beigemischt. Näher gegen das linke Ohr 
nur der tiefere, besonders heim Ausklingen. Auf dem linken 
Tragus war zuerst, wenn die Gabel noch sehr stark klang, der 
Eindruck der Falschheit unverkennbar, noch mehr auf dem be¬ 
nachbarten Gelenkfortsatz des Unterkiefers, wo sogar der Ton 
momentan auf das rechte Ohr übersprang und sich merklich er¬ 
höhte, während unmittelbar daneben auf Theilen mit fleischiger 
Unterlage mehr der Pseudoton dominirte. All dies begreift sich 
unschwer aus den Verhältnissen der Knochenleitung von Ohr 
zu Ohr. 
Schwebungen waren auch in diesen Fällen niemals zu be¬ 
merken. 
Den Ton der eigenen Singstimme konnte ich nicht eigent¬ 
lich doppelt hören; ich hörte nur verschiedene höhere Töne im 
linken Ohr mitklingen, die möglichst schlecht dazu pafsten. Sie 
lagen, soweit ich beobachten konnte, in der 2-gestrichenen Octave, 
Stumpf, Beiträge III. 4
        

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