Bauhaus-Universität Weimar

[XXI. 101] Beobachtungen über subjective Töne und über Doppelthören. 31 
Im Folgenden möchte ich versuchen, in die Lücke nach 
bestem Vermögen einzutreten, da ich im Laufe der Jahre nur 
zu ausgiebige Gelegenheit zu dergleichen Selbstbeobachtungen 
hatte. 
I. Ein konstanter Ton.1 
Seit 1875 höre ich im rechten Ohr einen der Höhe nach 
gleichbleibenden, der Intensität nach wechselnden, auch zeitweise 
unmerklichen, aber immer wiederkehrenden Ton, ähnlich etwa 
dem „Singen“ einer Gasflamme. Es ist ein etwas hoch zu 
nehmendes fis'3. 
Diesen Ton kann ich, wenn er gut merklich ist, willkürlich 
verstärken und schwächen. Er wird geschwächt durch eine 
Muskelaction, die ich zuerst für die Contraction des Tensor 
tympani hielt, die aber nach Politzer als Bewegung des weichen 
Gaumens und der EusTACHischen Röhre anzusehen ist, wenn 
auch das begleitende Knacken im Ohr localisirt wird.2 Auch 
Ausstofsung von Luft aus der Nase bei offenen oder geschlossenen 
Nasenlöchern wirkt schwächend.3 Endlich wirkte in gleicher 
Weise ein Druck auf die Carotis, wenn der Ton gerade stark 
erklang. In allen diesen Fällen hatte ich zugleich das Gefühl 
der Erleichterung im Ohr. Nachher kehrte der Ton allerdings 
zur vorherigen Stärke zurück, doch konnte ich durch fortgesetzte 
Anwendung dieser Mittel auch eine länger dauernde Erleichte¬ 
rung erzielen. 
Verstärkt wird der Ton durch Einziehen von Luft bei ge¬ 
schlossenen Nasenlöchern oder durch Schlingen unter gleichen 
Umständen, auch durch Eindrücken des Fingers in den äufseren 
Gehörgang. Doch gelingt Verstärkung nur dann, wenn er nicht 
bereits sehr stark ist und doch eine Disposition dazu (s. u.) vor¬ 
handen ist. Auf diese Art konnte ich den Ton vielfach wie eine 
innere Stimmgabel benützen, um danach die absolute Tonhöhe 
objectiver oder subjectiver Töne zu bestimmen. 
1 Einiges hierüber erwähnte ich bereits in meiner Tonpsychologie. 
S. den Index im II. Bd. unter „Subj. Töne“. 
•2 ygp Tonpsychol. II, 296. Daselbst auch über die Untersuchung 
meines Ohres durch Zattfal. 
» Gleichzeitige Schluckbewegung (VALSALVA’scher Versuch) war hierbei 
nicht erforderlich. Lucae giebt a. a. O. S. 6 an, dafs es ihm in der Kegel 
gelinge, einen subjectiven Ton analoger Art durch den VALSALVA’schen Ver¬ 
such zu beseitigen.
        

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