Bauhaus-Universität Weimar

[XVI. 362] TJeber die Unterschiedsempfindlichkeit für Tonhöhen. 75 
zu Stande kommen. Es wäre möglich, dass mit dem Hören 
eines reinen Intervalls ein Lust-, mit dem eines unreinen ein Un¬ 
lustgefühl verknüpft wäre, und dass auf diese Weise ein in¬ 
direktes Urtheil über Reinheit oder Verstimmung zu Stande 
käme. In der Regel dürfte freilich bei Intervallen das Urtheil 
auf Verstimmung erst dadurch entstehen, dass das Intervall als 
zu gross oder als zu klein erkannt wird. Hierfür spricht, dass 
nach den Aussagen der meisten Beobachter das Intervallurtheil 
so geschieht, dass der Beobachter sich den zweiten Ton zunächst 
vorstellt und dann beurtheilt, ob der wirklich gehörte höher oder 
tiefer als der vorgestellte ist. Um diese Vorstellung zu Stande 
kommen zu lassen, muss man stets zwischen den beiden vor¬ 
gelegten Intervalltönen etwa eine Sekunde Pause machen. Thut 
man dies nicht, so wird das Urtheil erschwert. Doch mag — 
namentlich beim Zusammenklange der Intervalltöne — das Ur¬ 
theil häufig auch durch ein Unlustgefühl mitbestimmt werden. 
Ein Unlustgefühl kann aber auch durch unvermeidliche störende 
Nebenumstände hervorgerufen werden, ohne dass sich der 
Beobachter ihrer deutlich bewusst zu sein braucht. Er wird 
dann für die gefühlte Unlust eine — eventuell gar nicht vor¬ 
handene — Verstimmung des Intervalls verantwortlich zu machen 
geneigt sein, bevor er noch hat entscheiden können, ob es zu 
gross oder zu klein sei. 
III. Die Methode der Minimaländeruiigen. 
Ehe ich die vorstehend beschriebenen Versuche über die 
Unterschiedsempfindlichkeit für Tonhöhen sowie andere über die 
Empfindlichkeit für Verstimmungen der musikalischen Intervalle 
nach der Methode der richtigen und falschen Fälle anstellte, ver¬ 
suchte ich es mit der von W-ukdt vielfach empfohlenen und 
von Luft 1 und Schischmanow 2 zu gleichen bezw. ähnlichen 
Zwecken in Anwendung gebrachten Methode der Minimal¬ 
änderungen (der eben merklichen Unterschiede). Ich musste diese 
Methode jedoch aufgeben, da sie — bei ihrer Anwendung auf 
Tonqualitäten wenigstens — gar zu viele Fehlerquellen enthält 
1 Wundt’s Philosophische Studien, Bd. 4, S. 511 ff. 
2 Wundt’s Studien, Bd. 5, S. 558 ff.
        

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