Bauhaus-Universität Weimar

Ueber die Unterschiedsempfindliclikeit für Tonhöhen 
n e b s t einigen Bemerkungen 
über die Methode der Minimal and er un g en. 
Yon 
Max Meyer. 
I. Die Unterschiedsempfindliclikeit für Tonhöhen. 
Die Ermittelung der Empfindlichkeit des men schlichen Ohres 
für kleine Tonhöhenunterschiede kann nach verschiedenen Rich¬ 
tungen hin von Interesse werden. Die physiologische Theorie 
des Hörens wird immer damit zu rechnen haben, sei es, dass 
man die Zahl der unterscheidbaren Töne mit der Zahl der 
Fasern im Gehörorgan vergleicht, die nach Helmholtz durch 
Töne in Mitschwingung versetzt werden, sei es, dass man in 
anderer Weise Verifikationen oder Erläuterungen der aufgestellten 
Hypothesen daraus herleitet. Für die psychologische Theorie 
der Tonwahrnehmungen ist es nicht ohne Bedeutung, die Fein¬ 
heit des Urtheils über Tonhöhenunterschiede mit der über die 
Reinheit von Intervallen zu vergleichen. Den Psychophysikern 
endlich waren diese Untersuchungen längere Zeit darum wichtig, 
weil es galt, das WEBER-FECHNEß’sche Gesetz der Konstanz der 
relativen Unterschiedsempfindlichkeit auf dem Gebiete der Ton¬ 
höhen zu prüfen, wo es von seinen Urhebern als zweifellos 
gültig hingestellt worden war. Dieses Gesetz ist nun mehr und 
mehr wankend geworden. Aber die zu seiner Prüfung ange¬ 
wandten „psychophysischen Maassmethoden“ haben als bestimmte 
Fragestellungen über das Verhältnis der Sinnesempfindungeil zu 
einander eine selbstständige Bedeutung gewonnen.
        

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