Bauhaus-Universität Weimar

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Max Meyer. 
[XVI. 6] 
schritten hat, wiederum nur der zweite Differenzton deutlich zu 
hören, vom ersten kaum eine Spur zu entdecken ist. Ich habe 
nun bereits früher nachgewiesen, dass der tiefe Differenzton 
(1 plus 2) beim Intervall 5 :8 auch dann bestehen bleibt, wenn 
der Oberton 10 durch Interferenz beseitigt ist. Jetzt habe ich 
noch folgenden Versuch angestellt. Durch Flaschen wurde ein 
starker Ton 5 und ein schwacher Ton 8 hervorgebracht. Sie 
wurden vermittelst einer durch das anstossende Zimmer hindurch¬ 
führenden fast 8 Meter langen Röhre aus einem dritten Zimmer 
(wie immer bei derartigen Versuchen) beobachtet. Bei dem 
Tone 5 konnte durch Verwerthung der Resonanz der Röhren¬ 
leitung erreicht werden, dass trotz seiner Stärke am Ende der 
Leitung (er liess freilich auch sonst nur eine schwache Oktave 
und Duodezime hören) kein Oberton herausgehört werden konnte. 
Der Ton 8 wurde so schwach gemacht, dass er im Zusammen¬ 
klange mit 5 nicht herauszuhören war. Trotzdem bewirkte das 
thatsächliche Hinzutreten des höheren Tons zu 5 eine äusserst 
auffallende Veränderung des Klanges. Es trat nämlich sofort 
der tiefe Differenzton (1 plus 2) auf, und das Ganze nahm einen 
sehr tiefen, brummenden Charakter an. Man hört also hier 
einen Differenzton, obwohl man den ihn erzeugenden Ton gar 
nicht hört. Von dem Differenztone 3 ist in diesem Falle, wie 
ich noch bemerken möchte, ebensowenig etwas zu hören wie 
von dem Primärtone 8. 
IV. Auf noch eine bemerkenswerthe Erscheinung möchte 
ich aufmerksam machen. Wenn man beim Intervall 4:5 die 
Primär- und Differenztöne aufmerksam beobachtet, so hört man 
(und zwar habe ich dies bei Stimmgabel- wie bei Zungentönen 
in gleicher Weise bemerkt), dass der Primärton 4 und der 
Differenzton 3 immer abwechselnd hervortreten. Zuerst glaubte 
ich, da mir dies an einem nicht völlig rein gestimmten Intervalle 
auffiel, dass es sich hier um Schwebungen handle. Aber 
bei reinen Intervallen tritt dieselbe Erscheinung ein, und ausser¬ 
dem haben wir hierbei keinen Rhythmus, sondern der Wechsel 
der Empfindung tritt unregelmässig ein, gewöhnlich nach etwa 
einer halben Sekunde, oft auch nach 1 V2 Sekunden. Man hört 
stets gleichzeitig beide Töne, 3 auch 4, aber abwechselnd ist 
immer der eine, dann der andere stärker. Der Eindruck ist ein 
ähnlicher, als wenn man Kirchenglocken läuten hört. Ich
        

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