Bauhaus-Universität Weimar

[XVI. 23] Zwr Theorie, d. Differenztöne u. d. Gehörsempfind, überhaupt. 47 
Darüber herrscht allgemeine Uebereinstimmung, dass ein 
Druck des Steigbügels auf das Vorhofswasser die Wassersäule 
der Vorhofstreppe nicht in ihrer Längsrichtung so .verschiebt, 
dass die verdrängte Wassermenge durch die an der Spitze der 
Schnecke gelegene Kommunikationsöffnung auf die Paukentreppe 
iiberfiiesst, sondern dass in einem solchen Falle wegen der auf 
diesem längeren Wege dem Wasser sich entgegenstellenden 
Reibungswiderstände die membranösen Wände des häutigen 
Schneckenkanals gegen die Paükentreppe hin sich buchten. Die 
Resonanztheorie wird hier inkonsequent, indem sie annimmt, 
dass diese Ausbuchtung stets an derjenigen Stelle stattfindet, wo 
sich der angebliche auf den betreffenden Ton abgestimmte Re¬ 
sonator befindet. Will man die allgemeine Annahme kon¬ 
sequent durchführen, so muss man sagen: Da der längere 
Weg der Flüssigkeit einen grösseren Reibungswiderstand ent¬ 
gegensetzt, so buchten sich die Membranen des Schneckenkanals 
dort aus, bis wohin die Flüssigkeit den kürzesten Weg zurück 
zulegen hat, also am Anfänge der Schnecke. Je grösser die 
durch den Steigbügel verdrängte Flüssigkeitsmenge ist, um so 
weiter erstreckt sich der in Bewegung gerathene Theil der Mem¬ 
branen, da die Ausbuchtung doch wahrscheinlich nur in ge¬ 
ringerer Tiefe möglich ist ; und bei äusserst starken Tönen 
dürften wohl die membranösen Wände in ihrer ganzen Länge 
sich ausbuchten. Es wird kaum Jemand leugnen können, dass 
diese Annahme rein den anatomischen Befunden nach eine viel 
grössere Wahrscheinlichkeit hat, als jene andere, dass die Basilar- 
membran aus vielen Tausenden Resonatoren bestehe. 
Sehr wahrscheinlich ist es ferner, dass die membranösen Wände 
des Schneckenkanals als weiche, in Flüssigkeit gebettete organische 
Körper, wenn sie aus ihrer normalen Lage durch äufsere Kräfte 
verrückt worden sind, nur verhältnissmässig langsam wieder in 
den alten Zustand zurückkehren werden, falls dies nicht wieder¬ 
um durch äufsere Kräfte geschieht. Und zwar können wir ohne 
Schwierigkeit annehmen, dass die Zeit der selbständigen Rück¬ 
kehr in den früheren Zustand mehrere Sekunden beträgt, gegen¬ 
über der Zeit einer Hinundherbewegung des Steigbügels also im 
Allgemeinen sehr gross ist, so dass wir in der Anwendung dieser 
Voraussetzung auf besondere Fälle keinen nennenswerthen Fehler 
machen werden, wenn wir annehmen, dass die Membran über¬ 
haupt nur durch äussere Kräfte bewegt wird.
        

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