Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das künstlerische Klavierspiel in seinen physiologisch-physikalischen Vorgängen
Person:
Caland, Elisabeth
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38455/72/
Finger- und Senkübungen. 
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Über die von Deppe in vorgeschriebener Handhaltung ge¬ 
forderten Fingerübungen wurde von uns ausführlich in „die Deppe¬ 
sche Lehre“ berichtet. Außerdem möchten wir hier raten (von 
der Erfahrung der längeren Praxis geleitet), überall, wo dort noch 
von einer kleinen Hebung der Finger geschrieben wurde, bei 
derselben Stellung der federleicht getragenen Hand die Finger 
plötzlich und fest, vermittelst der Rückenmuskeln (also ohne vor¬ 
herige Hebung) in die Tasten zu senken, ebenso, wie dies in 
Vorübung 1, „Techn. Ratschläge“ und als praktischer Zweck der 
Schulterblattsenkung in „d. A. d. K.-Q. S. 39“ vorgeschrieben wurde. 
Diese letzteren sind lediglich Senkübungen, die den Zweck haben, 
die tiefste Rückenmuskulatur in Tätigkeit zu setzen. Der ganze 
Arm bis in die Fingerspitzen hinein soll, wie schon des öfteren 
bemerkt, „gewissermaßen wie ein gelenkloser Hebel unverändert 
bleiben,“ Die Finger bewegen sich also selbst kaum; sie werden 
sozusagen .fast, nur, durch die Rückenmuskeln kraftvoll hinunter- 
gedrücktr Es entsteht die Empfindung, als ob ohne äußerlich 
sichtbare Erscheinung die Kraft des ganzen Rumpfes sich durch 
den Finger auf die Taste aufsetzt. 
Freilich ist zu erwarten, daß im Anfang die Glieder ent¬ 
weder zu locker oder zu fest gehalten werden, und hierdurch 
vielfach noch eine kleine, wir möchten sagen, rüttelnde Be¬ 
wegung des Armes entstehen wird, welche die Töne auch in un¬ 
gleichmäßiger Weise beeinflußt. Wenn jedoch die Beherrschung die 
richtige, und das von ihr erreichte Muskelspiel das gewollte ist, 
was selbstverständlich einige Übung erfordert, so wird die Bewe¬ 
gung äußerlich fast unsichtbar sein. Man wird bei ruhigster Hal¬ 
tung der Hand und Finger nur eine kleine, fast unmerklich hin¬ 
untergehende Bewegung des ganzen Armes wahrnehmen. Eine 
Umwandlung der Tone untereinander vollzieht sich sofort, wenn 
die Bewegung in der richtigen Weise ausgeführt wird; die Töne 
klingen bestimmt und klar und dennoch miteinander vollkommen 
gebunden. Der Unterschied des „angeschlagenen Tones“ von dem 
auf diese Weise „genommenen“ ist markant. 
Die zuletzt genannten Senkübungen sind ganz besonders
        

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